"Es blüht, blüht und einiges verblüht" - Kerstin Hauch vom Rosengut Lan gerwisch (Potsdam-Mittelmark) bringt die prekäre Lage vieler brandenburgischer Gärtnereien zum heutigen kalendarischen Frühlingsanfang auf den Punkt. Wegen des anhaltenden winterlichen Wetters bleiben sie derzeit auf Primeln und Stiefmütterchen sitzen, erschwerend hinzu kommen die horrenden Energiepreise für das Beheizen der Gewächshäuser.
"Die Ware muss dringend raus, aber es kann ja keiner im gefrorenen Boden pflanzen", sagt der Geschäftsführer des Landesgartenbauverbandes, Andreas Jende. Nach seinen Angaben gibt es in der Mark rund 450 Gärtnereien, von denen etwa 300 unter Glas produzieren.

Kühlen zum Frischhalten
Sollte es noch länger so kalt bleiben, befürchten viele von ihnen massive Einbußen. Erste Insolvenzen von vier Gewächshausbetrieben wurden bereits gemeldet, die Standorte sollen aber erhalten bleiben. "Die Lage ist sehr ernst", betont Jende. Derzeit bemühten sich die Gärtnereien, durch Herunterkühlen der Gewächshäuser die Blumen länger frisch zu halten. "Aber irgendwann ist da nichts mehr zu retten", meint Hauch.
"Maximal bis Anfang April können wir die Primeln noch frisch halten", betont auch Ronny Städter, Gesellschafter der Gartenbau Felgentreu GbR (Teltow-Fläming). Mit Winterdienst, Holzhacken und Baumschnitt statt Pflanzarbeiten überbrückt die Firma Uckermark Grün in Templin (Uckermark) den langen Winter. "Normalerweise beginnen wir in etwa zwei Wochen mit dem Bepflanzen von Rabatten etwa vor Hotels oder anderen Gebäuden", sagt ein Sprecher. Aufträge lägen ausreichend vor, nur Losgehen könne es eben noch nicht.
In der Stadt Finsterwalde (Elbe-Elster) gibt man sich angesichts des nicht enden wollenden Winters noch gelassen. "Wenn es die Temperaturen zulassen, werden Stiefmütterchen in die Beete und Schalen in der Innenstadt eingepflanzt", sagt Helmut Heinrich vom städtischen Wirtschaftshof. Von den Gärtnereien würden aber nur robuste Freilandpflanzen geholt.
Derweil sehnt in der Gärtnerei in Schenkendorf (Dahme-Spreewald) Inhaberin Stefanie Choitz das Frühjahr herbei. "Bloß gut, dass Ostern erst Mitte April ist und nicht schon Ende März, das wäre für den Absatz schlimm." So spricht dann auch Jende den Gärtnern im Land aus der Seele, wenn er sagt: "Es muss dringend Frühling werden."
Der über Gebühr lange Winter lässt auch in Sachsen bunten Frühlingsboten keine Chance. Profi- und Hobbygärtner hoffen inständig auf ein Ende von Frost und Schnee. "Alle stehen in den Startlöchern", sagt der Geschäftsführer des Gartenbau-Landesverbandes, Eberhard Haag. Denn die Betriebe können kaum Primeln und Co. absetzen, zumal auch Großabnehmer wie Kommunen auf besseres Wetter warten.

Alternative Obstschnitt
"Es geht derzeit gar nichts", beklagt Haag angesichts der mit Frühblühern vollen Gewächshäuser. "Selbst mit Schnäppchenpreisen verkauft sich nichts." Schließlich mache es bei dem Wetter einfach keinen Sinn, Stiefmütterchen oder Primeln ins Freie zu setzen. Einzige Alternative seien Fensterbänke. "Doch hier gibt es nur begrenzt Platz." Normalerweise seien um diese Zeit die Gewächshäuser schon frei für nachfolgende Kulturen: Pelargonien, Fuchsien und Gemüsepflanzen.
"Die Kleingärtner können die Wartezeit jetzt nur sinnvoll mit dem Schnitt von Obstbäumen überbrücken", weist der Präsident des Kleingärtner-Landesverbandes, Peter Paschke, einen kleinen Ausweg für die Ungeduldigen.