Aber sie werden rasch zu dem Schluss kommen, dass sich eigentlich nichts ändert. Keiner bleibt wegen einer solchen Warnung plötzlich den ganzen Tag daheim. Die eigentlichen Adressaten solcher Informationen sind deshalb auch eher die Politiker. Hätten die Sicherheitsbehörden dann besser geschwiegen? Man kann den Sicherheitsbehörden nicht vorwerfen, dass sie die jetzt verbreiteten Drohvideos öffentlich bewerten. Hätten sie geschwiegen, würden wir uns garantiert darüber wundern. Die Gefahr eines Klimas der Angst sehen Sie nicht? Das hängt davon ab, wie wir Politiker mit diesen Informationen umgehen und welche Konsequenzen wir daraus für die Gesetzgebung ziehen. Um es klar zu sagen: Auch die neuen Warnungen sind nicht dazu geeignet, dass man den Kurs der Großen Koalition, die Bürgerrechte immer mehr einzuschränken, akzeptieren müsste. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht aber von einer "neuen Qualität" der Bedrohung. Das sehe ich etwas anders. Natürlich müssen wir alle Hinweise unserer Sicherheitsbehörden ernst nehmen. Die aktuellen Informationen sind eine Bestätigung für die schon länger existierende Tatsache, dass wir es mit einer allgemeinen Bedrohungslage zu tun haben. Für konkrete Anschlagspläne gibt es offenbar weiterhin keine Anhaltspunkte. Aber Deutschland ist auch keine Insel der Glückseligen. Insofern hat sich die Situation nicht entscheidend verändert. Und es besteht auch kein Anlass zu Panik. Vermutet wird, dass Terroristen mit ihren Videos den Ausgang der Bundestagswahl im September beeinflussen wollen. Was halten Sie davon? Selbst wenn diese Absicht bestünde, wäre das ein aussichtloses Unterfangen. Kein ernst zu nehmender Politiker in Deutschland wird sich dadurch in irgendeiner Weise beeinflussen lassen. In Spanien geschah 2004 während des Wahlkampfes ein Terroranschlag. Kurz danach zog Madrid seine Soldaten aus dem Irak ab. Diese Parallele ist absurd. In Spanien waren die Sozialisten als damalige Wahlgewinner schon vorher gegen eine Kriegsbeteiligung im Irak. In Deutschland befürworten fast alle etablierten Parteien den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Das ist eine ganz andere Situation. Die Linkspartei argumentiert, mit dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan wurde der Terror nach Deutschland geholt. Hat sie recht? Das ist Unsinn. Seit den Terroranschlägen in den USA am 11. September 2001 richtet sich die Bedrohung gegen die westlichen Länder insgesamt. Eine für richtig erachtete Politik darf man nicht deshalb unterlassen, weil es diese Bedrohung gibt. Mit Max Stadler sprach Stefan Vetter