. Hochwasser-Termine mit Politikern sind ein Klassiker. Der Flutwahlkampf von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Jahr 2002 ist legendär, ebenso der Einsatz von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bei der Oderflut 1997. Nun also der Bundesvorsitzende der Sozialdemokraten, Sigmar Gabriel. Die Flut ist zwar schon längst weg. Trotzdem besucht Gabriel am Montag Brandenburgs Sorgendeich in Mühlberg.

Noch vor wenigen Wochen hatte das ganze Land auf den kleinen Ort im Süden Brandenburgs geschaut. Tagelang drohte dort der marode Elbdeich zu brechen. "Wäre das passiert, hätte ein Drittel des Kreises unter Wasser gestanden", sagt Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos). Gemeinsam mit der SPD-Bundestagskandidatin für die Landkreise Elbe-Elster und Oberspreewald Lausitz II, Kerstin Weide, führt sie Gabriel den Deich entlang. Derzeit laufe die Sanierung des Walles. Außerdem solle der Deich vor Mühlberg irgendwann rückverlegt und so Flutungsfläche geschaffen werden.

"Jetzt muss ich mal böse nachfragen", unterbricht Gabriel. "Nach Hochwasser 2002, 2010 und 2013 überlegen sie immer noch, was getan werden kann? Elf Jahre vertane Zeit ist gaga", so der SPD-Chef weiter. Weide nickt, weist aber darauf hin, dass man noch auf Aussagen vom Landkreis warte und die Abstimmung mit den vielen Landwirten schwierig sei. Denn die haben in dem potenziellen Flutungsgebiet vor Mühlberg mehrere Felder. "Die fruchtbarsten Böden in unserem Bestand", sagt Landwirt und Genossenschaftschef Uve Gliemann.

Es könne nicht sein, dass die Bauern Mühlberg retten und danach nicht wissen, wer wie entschädigt wird. Ein Punkt, der auch Gabriel unter den Nägeln zu brennen scheint.

Gleich mehrfach erwähnt er den Nutzen von Elementarversicherungen. "Jeder, der nach dem Elbe-Hochwasser 2002 noch so eine Versicherung hatte, war gut dran", sagt Gabriel der RUNDSCHAU. Deshalb müsse es so eine Versicherung, die Hochwasserschäden abdeckt, für alle geben. Wie das finanziert werden soll, sagt er nicht. Gerade in Hochwasser-Gebieten sind die Beiträge für solche Versicherungen extrem hoch. Man müsse aber darüber diskutieren, so Gabriel weiter.

Damit stößt der SPD-Chef in dasselbe Horn wie Brandenburgs Linkspartei. Vor wenigen Wochen hatte diese eine bundesweite Pflichtversicherung gegen Elementarschäden gefordert. Statt des bisherigen freiwilligen Systems einer Zusatzversicherung müsse eine Verpflichtung zu einer Versicherung für alle Bürger geschaffen werden, so die Idee.

Für die aktuellen Schäden haben Bund und Länder eine Vereinbarung unterzeichnet. Demnach werden für den Ausgleich von Schäden 50 Prozent bezuschusst - wovon wiederum jeweils die Hälfte der Bund und das Land finanzieren. In Brandenburg sind vor allem die Bauern betroffen: Knapp 40 000 Hektar sind zerstört. Die meisten Flächen wurden demnach im Landkreis Elbe-Elster überflutet. Dort standen zeitweilig bis zu 11 000 Hektar unter Wasser. Das Ministerium schätzt die entstandenen Schäden in der Brandenburger Landwirtschaft auf rund 44 Millionen Euro.

"50 Prozent reichen nicht aus", sagt Gliemann in Mühlberg. Klar gebe es hier einen Nutzungskonflikt. Eine bezahlbare Allround-Versicherung, die auch Hochwasserschäden abdeckt, sei aber eine Diskussionsgrundlage. Als Gliemann das sagt, ist die Politikerkarawane schon wieder unterwegs - zum nächsten Termin.