Der Winter kann kommen, jedenfalls wenn es nach den Winterdienst-Spezialisten auf Brandenburgs größtem Flughafen in Schönefeld (Dahme-Spreewald) geht. In dieser Woche haben die Experten ihre Einsatzpläne für die bevorstehende "Eiszeit" vorgestellt. Und das Ganze klingt nach einer logistischen Meisterleistung. Immerhin sollen insgesamt 300 Mitarbeiter in Schönefeld und Tegel den Kampf mit den Unberechenbarkeiten des Winters aufnehmen. "Bewaffnet" sind sie dabei mit 50 Groß-Schneepflügen und 21 Spezialfahrzeugen zur Flugzeugenteisung.

Stolz sind die Manager darauf, dass im vergangenen Winter keiner der beiden Flugplätze der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg in Tegel und Schönefeld auch nur einen Tag vom Netz genommen werden musste. Vorsichtig sind sie aber mit Prognosen für die Zukunft. Der Winter sei eben für die Fliegerei eine besonders unberechenbare Jahreszeit.

Neu in Schönefeld ist ab diesem Jahr ein Enteisungskoordinator. Den gab es im vorigen Jahr nur in Tegel und hat sich dort offenbar bestens bewährt.

Enteisung in zehn Minuten

Der Winterdienst am Flughafen muss zwei große Bereiche abdecken. Auf der einen Seite geht es um die Enteisung der Flugzeuge. Auf den Tragflächen und am Rumpf der Flieger bildet sich bei niedrigen Temperaturen Eis. Ein vereistes Flugzeug aber darf nicht starten. Der Airport-Dienstleister Globe-Ground, der dafür zuständig ist, setzt in diesem Jahr in Schönefeld insgesamt sechs Spezial-Fahrzeuge vom Typ "Elephant" ein, um dem tückischen Eis zu Leibe zu rücken. Dabei ist vor allem auch Schnelligkeit gefragt. Zwischen zehn und zwanzig Minuten dauert die Enteisung einer Maschine, ja nach Flugzeugtyp und Witterungsverhältnissen. Insgesamt 750 000 Liter biologisch abbaubaren Enteisungsmittels hat die Flughafengesellschaft für die kommende Saison auf den Flughäfen in Tegel und Schönefeld gebunkert. Wenn's ganz dick kommt, steht ein Notfalllager mit weiteren 500 000 Litern in Berlin bereit.

Ameisensäure zum Auftauen

Die andere Seite des Winterdienstes auf den Flughäfen ist neben der ständigen Flugzeugenteisung die gleichzeitige Räumung der Rollbahnen und -flächen von Schnee und Eis. Vor allem die Start- und Landebahn muss ständig schnee- und eisfrei sein, wenn Flugzeuge landen und starten sollen.

Alleine auf dem Flughafen Schönefeld müssen dabei insgesamt 140 Hektar frei gehalten werden. Das entspricht einer Fläche von knapp 200 Fußballfeldern. Zum Auftauen verwendet werden dazu Chemikalien, die auf der Basis von Ameisensäure hergestellt wurden. Damit soll die Umweltbelastung minimiert werden. Die komplette Enteisung der riesigen Rollbahn darf dabei übrigens nicht länger als 30 Minuten dauern. In dieser kurzen Zeit werden zwölf Tonnen Flüssig enteiser und sechs Tonnen festes Streumittel pro Durchgang eingesetzt.