Es wird geklopft, gehämmert, geschraubt, gesteckt. Lkw fahren auf Feldwegen, auf denen sonst nur Radfahrer und Inlineskater unterwegs sind. Dort, wo vor wenigen Tagen noch eine leere Feldfläche und zwei Plakate waren, ist in wenigen Tagen ein Festivalgelände entstanden. Eine 32 Meter breite und zwölf Meter hohe Bühne, ein Catering-Zelt, insgesamt etwa acht Kilometer Bauzaun, über 150 mobile Toiletten, zwei Dutzend Duschen und unzählige Stromgeneratoren - "eine Stadt für 15 000 Leute", sagt Sven Tietze, Cheforganisator des ersten Seenland-Festivals und Geschäftsführer der Lausitzhalle Hoyerswerda GmbH. Am kommenden Wochenende soll die dreitägige Veranstaltung Musik- und Partyfreunde aus ganz Deutschland an den Partwitzer See bei Hoyerswerda (Landkreis Bautzen) locken.

Etwa 150 Arbeiter seien derzeit auf dem Gelände beschäftigt, um Bühne und Technik pünktlich zum Festivalstart am Freitagnachmittag zum Laufen zu bringen, berichtet Produktionsleiter Christof Matthiesen. Die letzten Arbeiten an der Bühnen- und Geländetechnik werden erst am Freitag abgeschlossen sein, dann, wenn die ersten der bislang 1000 angemeldeten Camper schon ihre Zelte auf dem benachbarten Festival-Campingplatz aufgestellt haben. Das Seenland-Festival kann kommen, was noch fehlt, sind ausreichend Besucher.

Schleppender Kartenverkauf

Rund 11 000 Tickets konnte der Veranstalter bislang insgesamt für alle drei Festivaltage verkaufen. Bis vor Kurzem noch hatte sich Sven Tietze bezüglich des Kartenvorverkaufs bedeckt gehalten und keine Zahlen genannt. Von 40 000 Zuschauern pro Tag war einmal die Rede gewesen, ganz zu Beginn der Planungen vor rund einem Jahr. Das hat Tietze in den letzten Wochen schrittweise nach unten korrigiert. 10 000 Festivalbesucher pro Tag sah das Bühnenkonzept bis vor wenigen Tagen noch vor. Wetterkapriolen und Überschwemmungen hätten dazu beigetragen, den Verkauf zu hemmen, so Tietze.

Gute Wetterprognosen für das Festivalwochenende aber lassen die Organisatoren auf gute Verkaufszahlen an der Abendkasse hoffen. Zu Beginn der Aufbauarbeiten haben sie die Kapazität des Geländes auf 15 000 Besucher erhöht.

"Der stärkste Tag ist der Hosen-Tag", sagt Sven Tietze. Für den Sonntag rechnen die Veranstalter damit, die ehemalige Kapazitätsgrenze von 10 000 Zuschauern zu knacken. Die übrigen Tage zögen nach, berichtet Tietze und setzt auf die Partygänger, die sich spontan für einen Besuch am Partwitzer See entscheiden.

Dass mit der Festival-Premiere voraussichtlich kein Gewinn zu machen sein wird, räumt Sven Tietze ein. Siebenstellig seien die Kosten, sagt er. Genauer will er nicht werden, "die Abrechnung kommt dann nachher." Als Teil der Städtischen Wirtschaftsbetriebe Hoyerswerda (SWH) trägt die Lausitzhalle Hoyerswerda GmbH die Kosten. Es gehe nicht darum, schnellen Profit zu machen, sondern um eine langfristige Investition in die Zukunft der Region, so Tietze. Er will das Seenland-Festival etablieren, in diesem Jahr dafür sorgen, dass es zum Erfolg wird, damit die Veranstaltung von nun an regelmäßig am Partwitzer See stattfinden kann. Die Schirmherren des Seenland-Festivals, Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora, Elsterheides Bürgermeister Dietmar Koark und Michael Harig, Landrat des Landkreises Bautzen (alle CDU) unterstützen die Pläne des Veranstalters und die Investitionen, die dahinter stehen. Harig spricht von einer "brillanten Idee", ist sich aber auch der Schwierigkeiten bewusst, die eine Festivalpremiere birgt: "Wir sind noch Lernende."

Sicherheit für Messe und Festival

Parallel zum Festival findet in wenigen Hundert Metern Entfernung die Seenland-Messe statt, erstmals nicht in der Innenstadt von Hoyerswerda, sondern gleich am See. 50 Aussteller, die meisten davon aus Sachsen, halten für die Besucher Aktivangebote wie Segway-Fahrten oder Paintball-Spiele bereit. Festivalbesucher zahlen keinen Eintritt, um aufs Messegelände zu kommen, Besucher, die nur zur Messe wollen, können den kostenlosen Shuttlebus von Hoyerswerda aus nutzen und zahlen 3,50 Euro Eintritt (Normaltarif). Einen "Urlaubstag statt einer Prospektmesse" verspricht Sven Tietze. Dass in diesem Jahr rund 90 Aussteller weniger an der Messe teilnehmen werden als noch im vergangenen Jahr, bedauert er. "Wir hätten gerne ein paar mehr Aussteller auf der Messe", sagt er. Die Stadt Senftenberg etwa, eine wichtige Tourismusregion im Lausitzer Seenland, hat sich gegen das neue Messe-Konzept entschieden.

Festival und Messe sind durch ein gemeinsames Verkehrs- und Sicherheitskonzept verbunden. Bis zu 3000 Pkw erwarten die Veranstalter, zwei Zuwegungen führen auf das Parkgelände. "Ganz ohne Stau wird es nicht abgehen", sagt Tietze. Rund 150 Sicherheitskräfte und Verkehrsanweiser sollen während der drei Tage auf dem Festivalgelände, dem Messegelände und entlang der Zufahrten für Ordnung sorgen. Bis in den benachbarten Ort Klein Partwitz werden Security bereitstehen. Abseits des Festivalgeländes übernehmen Polizeibeamte aus Sachsen und Brandenburg die Verkehrsführung, auch per Hubschrauber. Außerdem wird die Polizei mit zwei Beamten zu Pferd entlang des Seeufers darauf achten, dass das Badeverbot eingehalten wird.

Badeverbot für Festivalbesucher

Aus Sicherheitsgründen hat die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) das Baden im Partwitzer See untersagt. Zum einen sei das Schwimmen im ehemaligen Bergbaugebiet ohnehin gefährlich, so Tietze, zum anderen möchten sich die Veranstalter aber auch davor schützen, dass angetrunkene Festivalbesucher ins Wasser springen. Bauzäune entlang des Seeufers weisen auf das Badeverbot hin. Wer sich dem widersetzt, begeht Hausfriedensbruch, erklärt der polizeiliche Einsatzleiter Holger Löwe. Die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wird dennoch vor Ort sein. Insgesamt 80 Einsatzkräfte des DRK, darunter vier Notärzte, kümmern sich auf dem Gelände um die medizinische Erstversorgung. Zusätzlich werden vier Einsatzwagen des Rettungsdienstes des Landratsamts Bautzen zwischen Messe- und Festivalgelände bereitstehen. 40 Feuerwehrkräfte kümmern sich um den Brandschutz. "Wir haben alles da", sagt Projektleiter Marcel Linack.

Seit Dienstag werden an den Zufahrtsstraßen Hinweisschilder aufgestellt. Aus Richtung Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg) und aus Richtung Hoyerswerda werde die Anfahrt ausreichend ausgeschildert sein, verspricht der Veranstalter.