In Freiberg drohe "der endgültige Verlust von nationaler und europäischer Kompetenz in einer entscheidenden Schlüsselindustrie des 21. Jahrhunderts", erklärte der Grünen-Abgeordnete Gerd Lippold. Und bemängelte, dass die erneuerbaren Energien bei der Staatsregierung schon immer nur die "Rolle eines ungeliebten Kindes" gespielt hätten.

Der 55-jährige Physiker aus Leipzig war für einige Jahre selbst Geschäftsführer eines Solarunternehmens. Lippold forderte gestern nicht die Rettung des Freiberger Standorts, sondern, "dass neue Wege auch hier bei uns in Sachsen gegangen werden und dass dabei die Innovationsschatzkiste nicht ausgeräumt wird". Was das genau bedeuten soll, blieb unklar.

Konkretere Vorstellungen äußerten die Linken. Deren Fachfrau für Ressourcen, die Freiberger Mineralogin Jana Pinka, wünscht sich vor Ort Investitionen in die Zellenproduktion. Auch das Recycling von Solarmodulen könnte "im Sinne der sächsischen Rohstoffstrategie" in Freiberg gefördert werden, damit die dortige Innovation nicht "den Bach runtergeht" - freilich mit Steuergeld.

Davon hält die regierende CDU nichts. Lars Rohwer (CDU) begründete das mit vielen Zahlen. Darunter die 24,5 Milliarden EEG-Referenzkosten, die an Ökostrom-Erzeuger geflossen seien. Hinzu kämen neun Milliarden Euro an Subventionen. Insgesamt habe der Staat dreimal so viel öffentliches Geld in die So lar industrie gepumpt wie in Windkraft, meint der 45-jährige Dresdner. Eine solche Anschubfinanzierung für die Sonnenenergie "war ordnungspolitisch wichtig und richtig". Jetzt müsse die Branche aber langsam Konkurrenzfähigkeit beweisen und ohne Subventionen klarkommen. Sein Fraktionskollege Steve Ittershagen warf ein: "Wenn so ein großes Schiff in die Insolvenz geht, dann hat das eine Ursache." Mit Rettungsforderungen sei das so eine Sache. Wem gegenüber wolle man denn fordern, den Standort zu erhalten? "Gegenüber der Staatsregierung? Die kann das nicht realisieren", so der CDU-Abgeordnete.

"Das, was da passiert, ist uns nicht egal", sagte Henning Homann (SPD). Zumal die Arbeitsplätze bei Solarworld "gute Arbeitsplätze" seien. Man müsse um jeden einzelnen kämpfen. Der AfD-Mann Jörg Urban sieht in Solarworld "ein durch und durch politisiertes Unternehmen, geführt von einem ehemaligen Grünen-Politiker", dessen Insolvenz irgendwie folgerichtig sei.

Dagegen betonte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), sein Haus sei bereits seit Längerem mit dem Betriebsrat und der Geschäftsleitung im Gespräch. "Wir reden seit Wochen über die Restrukturierungspläne für Solarworld." Aber die Aussichten der deutschen Solarbranche seien eben schwierig. "In China wird das 1,3-fache der gesamten Weltproduktion staatlich subventioniert und unter Marktpreisen produziert", so der Minister. Die von der EU verhängten Strafzölle würden immer weniger greifen.

Aber es gibt auch Lichtpunkte im Sonnengeschäft. Der in Dresden ansässige Modul-Hersteller Solarwatt hat nach seiner Insolvenz 2012 sein Geschäftsmodell verändert - mit Erfolg. Und: "Eine Insolvenz kann auch eine Chance sein."