Herr Wendt, hat die Polizei in Clausnitz versagt?

Nein. Die Polizei hat in Clausnitz mit wenigen Kräften eine ausgesprochen gefährliche Situation richtig gelöst.

Bilder, die zu sehen waren, sprechen für viele eine andere Sprache.

Polizeiarbeit produziert manchmal Bilder, die nicht schön sind. Wenn man nicht die Gesamtsituation zur Kenntnis nimmt, kann man solche Bilder auch falsch deuten. Ich finde, dass sich Innenminister de Maizière anders als andere vorbildlich verhalten hat. Er hat sich erst vernünftig informiert, und sich dann schützend vor die Polizei gestellt.

Nach den Ereignissen in Clausnitz und Bautzen wird viel über die Lage in Sachsen diskutiert. Sind solche Übergriffe vor allem ein sächsisches Problem?
Nicht nur. Leider haben wir im vergangenen Jahr rund 1000 Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte erlebt - und der Trend hält unvermindert an. Deshalb müssen wir überall in Deutschland Unterkünfte mit starken Polizeikräften schützen. Das ist eine ganz gefährliche Entwicklung, weil sich die Extremisten aus dem linken und dem rechten Lager gegenseitig hochschaukeln. Und wir wissen noch nicht, ob die höchste Eskalationsstufe bereits erreicht ist.

Was meinen Sie damit?
Ich hoffe nicht, dass die Leute irgendwann mit Waffen aufeinander losgehen. Wobei es jetzt schon ganz fürchterlich ist. Man kann durchaus von einem rechten Terrorismus sprechen, wenn Asylunterkünfte angezündet werden, in denen teilweise Menschen sind.

Aber die Häufigkeit der Vorfälle in Sachsen bleibt auffällig.
Das stimmt. In den 90er-Jahren hatten wir dieses Phänomen in Mecklenburg-Vorpommern. Das zeigt, wie wichtig es ist, auch mit Bildung, Erziehung und Aufklärung junger Menschen darauf einzuwirken, dass sich so etwas nicht entwickelt. Zugleich muss der Staat durch Polizei präsent sein. Und das fehlt eben in der Fläche.

Mit Rainer Wendt

sprach Hagen Strauß