Der Tag eins im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt war ein Tag der leisen Niederlagen. Von denen die des Wulf Gallert die lauteste war. Dem Spitzenmann der Linken fehlten im ersten Wahlgang fünf Stimmen. Nur 39 der 87 Abgeordneten wollten Gallert als zweiten Stellvertreter des Landtagspräsidenten sehen, 44 wollten ihn nicht. Das Ergebnis verdutzte alle Seiten dermaßen, dass erstmal unterbrochen werden musste.

Erster AfD-Landtagsvizepräsident Auch der neue Landtagspräsident, der CDU-Mann Hardy Peter Güssau, konnte nicht eben kraftvoll ins Amt starten. Der Lehrer aus Stendal wurde am Vormittag mit bescheidenen 47 Ja-Stimmen gewählt.

Dass ein Vize bei der Wahl durchfällt, gab es so in Magdeburg noch nicht. Zumal vorher die AfD problemlos ihren Kandidaten für den ersten Stellvertreter durchbekam. Der 53-jährige Daniel Rausch, Metallbauer aus Staßfurt, ist bundesweit der erste AfD-Mann in dieser Funktion. Seine Wahl glückte mit 46 Ja-Stimmen, von denen wohl etliche aus der CDU kamen.

Schwarz-Rot-Grün vor Start

Umgekehrt sah aber die 25-köpfige AfD-Faktion keinen Grund, den Linken Gallert zu wählen. AfD-Frontmann André Poggenburg begründete dies mit der "ideologischen Positionierung" der Linken, die sich gegen Rausch ausgesprochen hatte. Da waren gleich nach zwei Stunden Sitzung die ersten Maßregeln fällig. Der Fraktionschef der CDU, Siegfried Borgwardt nahm angesäuert zur Kenntnis, dass seine "Überzeugung, das Amt nicht vor die Person zu stellen, nicht überall geteilt wird". Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Claudia Dalbert ärgerte sich über eine "Belastung für künftige Kooperationen, die gerade im Entstehen begriffen."

Von den fünf Parteien, die am 13. März in den Landtag gewählt wurden, werden höchstwahrscheinlich drei demnächst regieren. CDU, SPD und Grüne verhandeln gerade die erste deutsche Kenia-Koalition. Bleiben in der Opposition noch AfD und Linke, die wollen voneinander nichts wissen. Aber die Größenverhältnisse sprechen für sich. Die AfD, die mit 25 Prozent aus der Wahl ging, stellt 25 Abgeordnete - die Linken sacken auf 16 ab.

Allein deshalb kommt dem AfD-Granden Poggenburg Bedeutung im Hause zu. Der 41-jährige Unternehmer aus Zeitz hat als Stimme der Opposition in Magdeburg eine fabelhafte Plattform für seine weitere Partei-Karriere. Damit legte er gestern auch wortgewaltig los. Die AfD sei es ja nicht, die sich nicht an die parlamentarischen Gepflogenheiten halte, schmetterte er am Pult, im grauen Anzug und mit blauem Schlips.

45 Stimmen für Gallert

Die nächsten fünf Jahre werden nicht leicht im Landtag. Die Kenia-Koalitionäre kommen zusammen auf 46 Stimmen - gerade fünf mehr als AfD und Linke. Die Linke, die als drittstärkste Fraktion den zweiten Vize stellen darf, blieb gestern stur und präsentierte den durchgefallenen Kandidaten am Nachmittag ein zweites Mal. Kurz vor vier wurde der 52-jährige Wulf Gallert dann doch noch zweiter Vize. Mit 45 Ja-Stimmen - genau eine mehr, als er gebraucht hätte.