Schüler und Vereine sammelten. Maler versteigerten ihre Werke.Spenden von Unternehmen wurden zusammengetragen, ebenso Groschenaus dem Sparschwein. Das Engagement für das Elternhaus für dieLausitz hatte in Cottbus eine breite öffentliche Basis. „Siehaben gekämpft in einer Region, die nicht zu den reichen indieser Republik gehört“ , fasste Manfred Welzel, Geschäftsführerder McDonald's Kinderhilfe, jetzt bei der feierlichen Eröffnungdes Hauses zusammen.
Die entscheidenden Großbeträge waren jedoch nur durch dieUnterstützung Prominenter und den Einsatz des BetreibersMcDonald's Kinderhilfe locker zu machen. Jetzt, bei derInbetriebnahme des Ronald-McDonald-Hauses Cottbus, wurden dieprominenten Förderer im Festzelt mit Beifall überschüttet. Siehatten die Massenmedien von der Bild-Zeitung bis RTL für dasElternhaus in Cottbus eingespannt.
Zum Beispiel Wolfgang Thierse, Präsident des DeutschenBundestags. Er lobte vor allem das bürgerschaftliche Engagement,das hinter dem Projekt steht: „Wir sind gewohnt, immer nach demStaat zu schreien. Aber wir leben in einer Zeit knapper Kassen.Ich habe den Eindruck, dass in diesem Engagement etwas sichtbargeworden ist - Gefühl für Solidarität und Bereitschaft zusolidarischem Handeln.“ Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe,der sich - damals noch in der Funktion als MinisterpräsidentBrandenburgs - für das Haus stark gemacht hatte, bezeichnete dasResultat als „ein großes Werk der Menschenfreundlichkeit“ .
Bei der Eröffnungsfeier schlug vor allem EiskunstlaufstarKatarina Witt als Werbeträgerin für das Projekt viel CottbuserSympathie entgegen. Sie hatte zwischen vier Alternativen für einpersönliches Engagement im Sozialbereich abgewogen - um sichschließlich für das Elternhaus in der Lausitz zu entscheiden. Nunspielte die Eiskunstläuferin, gerade von einer 60-Städte-Tourneedurch die USA zurückgekehrt, ihre Rolle herunter: „Eigentlich binich nur ein kleines Rädchen im ganzen Getriebe.“ Doch dieCottbuser quittierten ihren Beitrag mit kräftigem Applaus, ebensowie den Einsatz von Dagmar Frederic, die auf vie-lenBenefizveranstaltungen Spendengelder eingeworben hatte. AuchAchim Mentzel, Heinz-Florian Oertel und Lutz Heßlich gehörten zuden bekannten Personen, dank derer viele Menschen die Geldbörsefür das Elternhaus zückten.

Überraschendes Wiedersehen
Beim Rundgang durch das neue Gebäude ergab sich dann einüberraschendes Wiedersehen. Katarina Witt traf den zweijährigenNico. Die Sportlerin hatte das Kind aus der Zeit in Erinnerung,da Nico als Frühchen im Brutkasten im Carl-Thiem-Klinikum gelegenhatte. Damals begann der Kampf für das Elternhaus in der Lausitz.
Nun ist das Projekt dank vieler Spender, dank des Einsatzeseiniger Stars Wirklichkeit geworden - und dank des Entwurfs vonElke Donath. Als Architekturstudentin der Fachhochschule Lausitzhatte sie wie sieben andere Mitstudenten für das Projekt eineDiplomarbeit eingereicht. Elke Donaths Entwurf überzeugte.Bescheiden meinte die junge Frau bei der Eröffnungsfeier, siefreue sich, dass ihre Arbeit so vielen anderen gefalle.
Dass die Initiatoren des Elternhauses mit Unterstützung vielerbekannter und unbekannter Helfer, großer und kleiner Spender dieIdee zur Wirklichkeit werden ließen, hat auch dasbrandenburgische Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit undFrauen überzeugt. Das Fundament des Projekts sei die medizinischeArbeit am größten Krankenhaus des Landes Brandenburg, sagteStaatssekretärin Margret Schlüter. Bei der Eröffnung überbrachtedie Staatssekretärin die Zusage des Landes, die umfangreichengeplanten Ausbau- und Modernisierungsarbeiten des CottbuserCarl-Thiem-Klinikums mit weiteren 65 Millionen Euro zuunterstützen.
Zu den Sponsoren, die sich bereits für eine Nacht zum Probewohnenim Elternhaus für die Lausitz einquartiert haben, zählt FrankZeugner. Er betreibt die Firma „Bea Elektrotechnik“ , die sichmit 4000 Euro an den Baukosten beteiligte. Sein Fazit nach derNacht im Elternhaus: „Da lebt es sich ja besser als in einemHotel.“
Tatsächlich wirkt die Architektur des Hauses sehr modern undpraktisch. Helle Wände, Doppelbettzimmer und Einzelbettzimmer mitBalkons, ein Aufenthaltsraum mit Spielecke für die Kinder mitKissen und Teddybären, eine große geräumige Gemeinschaftsküche -auch die Besucher des Tages der offenen Tür schwärmen geradezuvom Gebäude. „Wunderschön“ , sagt Anke Franz (28), Angestellte,„funktionell und freundlich.“ Margitta Klauß aus Cottbuspflichtet ihr bei. „Ein ganz tolles Haus. Helle Zimmer, allessehr geräumig.“ Nebenan, im Krankenhaus, arbeitet Ulrike Nagel(24), die sich wie hunderte andere Besucher am Tag der offenenTür im Elternhaus für die Lausitz umschaut. „Ich bin völligbeeindruckt, dass ein derart großes Projekt allein ausSpendengeld finanziert werden konnte.“ Katharina Schwarzer (35),Wirtschaftskauffrau, fällt ebenfalls ein wohlwollendes Urteil:„Sehr gemütlich. Klar, dass eigentlich niemand hier wohnenmöchte, da ja auch niemand möchte, dass sein Kind schwererkrankt. Doch auch aus diesem Grund finde ich es gut, dass eshier Gemeinschaftsräume gibt. Denn ich denke, dass diebetroffenen Eltern sonst die meiste Zeit mit ihren Gedankenallein sind.“

Selbstständigkeit und Vertrauen
Eva-Maria Budemann, die Fragen der Besucher beantwortet, hat amTag der offenen Tür kaum eine ruhige Minute. Was kostet einZimmer„ Wie viele Menschen können hier schlafen“ Wer weist sieein„ Können wir hier auch wohnen, wenn erwachsene Verwandte imKrankenhaus behandelt werden“ Auf die letzte Frage antwortet siemit einem kategorischen „Nein“ . „Schließlich ist das Projekt aufdiesen starken Anklang gestoßen, weil es um die Eltern krankerKinder geht.“ Selbstständigkeit und Vertrauen - das seien diebeiden wichtigsten Eckpfeiler. Eva-Maria Budemann erläutert: „Eswird voraussichtlich keinen Nachtdienst im Haus geben. Die Elternbekommen die Schlüssel und bleiben weitgehend sich selbstüberlassen. Umso wichtiger ist es, dass sie gut miteinanderauskommen und sich in freundlicher Atmosphäre wohl fühlen, soweit sie das vermögen.“ Betroffene Eltern sollen nichts für dieUnterkunft zahlen - auch ein Grundgedanke des Projekts, derRealität geworden ist, da sich unter anderem die Krankenkassenmit einem Beitrag beteiligen.
Und schon gibt es die ersten Cottbuser, die sich auch nach derEröffnung des Hauses für das Wohlergehen der einquartiertenEltern und ihrer Kinder engagieren wollen. Karin Gema, Rentnerinaus Cottbus, hat ihren Entschluss bereits vor dem Rundgang durchsHaus gefasst: „Ich möchte hier als ehrenamtliche Helferinarbeiten. Das Leben einer Rentnerin kann schließlich manchmal einwenig langweilig sein, und warum soll ich nicht Leuteunterstützen, die Hilfe nötig haben?“