"Ein Teil meines Herzens bleibt in Istanbul", bedankte sich das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gestern beim Abflug aus Istanbul. Der Papst, der nach seiner Regensburger Rede über Islam und Gewalt gerade auch in der Türkei heftig kritisiert worden war, habe mit seinen Worten und Gesten "große Sympathien" gewonnen, schrieb die größte türkische Zeitung "Hürriyet". Zum Abschluss seiner viertägigen Reise hatte der Papst eine Messe in der katholischen Heiliggeistkirche in Istanbul gefeiert, an der auch der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomäus I. und der armenische Patriarch Mesrob II. teilnahmen.
Als Oberhaupt der katholischen Kirche sei es seine "Aufgabe", sich um einen besseren Dialog zwischen den Kulturen und Religionen zu bemühen, sagte Benedikt bei der Verabschiedung auf dem Istanbuler Atatürk-Flughafen. Er freue sich, wenn sein Besuch zu einem "besseren Verständnis" besonders zwischen dem Islam und dem Christentum, beigetragen habe. Überschwänglich berichtete die türkische Presse gestern vom Besuch des Papstes in der Blauen Moschee, wo dieser gemeinsam mit dem Mufti von Istanbul, Mustafa Cagrici, "wie ein Muslim" gebetet habe. "Historisches Gebet", "Frieden von Istanbul", lauteten die Schlagzeilen.
Das Gebet in der Blauen Moschee, das auch in der arabischen Presse Niederschlag fand, war nach Angaben des Muftis von Istanbul mit dem Vatikan abgesprochen. Niemand habe sich indes eingemischt, wie der Papst beten würde, sagte Cagrici. Die Dauer von "30 bis 40 Sekunden" habe er vorgeschlagen. "Ich hatte mein Gebet beendet, aber der Papst muss in dem Moment so glücklich gewesen sein, dass er das Gebet ein wenig verlängert hat", teilte der muslimische Religions-und Rechtsgelehrte mit. Dass Benedikt dieselbe Haltung wie Muslime im Gebet eingenommen habe, bezeichnete er als "schöne Geste". Weiße Tauben als Zeichen des Friedens ließ Benedikt vor der feierlichen Messe in der Heiliggeistkirche fliegen. Eine begeisterte Menge begrüßte den Papst mit Singen, Klatschen und "Viva"-Rufen. In seiner Predigt betonte er erneut den Wunsch nach Überwindung der 1000-jährigen Kirchenspaltung. Bereits vor 26 Jahren habe sein Vorgänger Johannes Paul II. Bei einem Besuch in Istanbul den Wunsch nach Rückkehr zur "vollständigen Einheit" der Kirchen geäußert.
"Dieser Wunsch ist bislang noch nicht Wirklichkeit geworden und der Papst sehnt sich noch immer danach", sagte Benedikt. Die Kirchen müssten alle Anstrengungen unternehmen, um den Weg zur Versöhnung ohne Zögern fortzusetzen. Erneut setzte sich der Papst für die Freiheit der Kirchen ein. "Die Kirche möchte niemandem etwas aufzwingen, sie verlangt lediglich, dass sie in Freiheit existieren kann." Neben dem Dialog mit dem Islam war die Überwindung der Spaltung zwischen Ost- und Westkirche, des Schismas, das große Thema der viertägigen Türkeireise des Papstes.
In der arabischen Welt wurde über den Papst-Besuch zwar nicht so ausführlich berichtet wie über seine umstrittenen Äußerungen über den Islam. Einige arabische Zeitungen druckten jedoch gestern auf den Titelseiten ein Foto des Papstes beim Gebet in der Blauen Moschee. Die überregionale Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat" erschien mit der Schlagzeile: "Der Papst richtet sein Gesicht gen Mekka." (dpa/roe)