Ein Imageproblem hatte das Sorbische schon immer. So sprachen in der Lausitz die kleinen Leute. Das war früher. Heute müsse es darum gehen, die beiden Sprachen als regionale Besonderheit herauszustellen, sagt Sorabistik-Professor Eduard Werner. Die jungen Leute, die bei ihm ein Studium anfangen, haben den Wert der Sprache schon mal erkannt.

Der 49-jährige Institutsleiter aus Leipzig sieht insbesondere das in Brandenburg gesprochene Sorbisch gefährlich bedroht. So gut wie keine niedersorbischen Muttersprachler kommen am Sorabistik-Institut an. Dabei werden niedersorbische Lehrer in der Heimat dringend gebraucht. "Den allgemein großen Mangel an Lehrernachwuchs spüren wir besonders", sagt Domowina-Chef David Statnik. Und das obwohl überdurchschnittlich viele sorbische Abiturienten eines Jahrgangs ins Lehramt wollen. An die 30 studieren derzeit in Leipzig Sorabistik. Die meisten von ihnen wollen auch wieder in die Heimat zurück, beobachtet Institutsleiter Werner. In der Breite sind es aber doch zu wenige, um auf Dauer den Unterricht für sorbische Kinder in der Lausitz zu sichern.

Das macht die Arbeit der zweisprachigen Schulen im sorbischen Siedlungsgebiet schwieriger. Das dort übliche Lernkonzept 2plus, das Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen auf gleiches Niveau in Sorbisch und Deutsch bringen soll, gilt zwar als Erfolgsmodell. Es funktioniert aber nur, wenn die Kinder in drei Sprachgruppen parallel lernen können. Dazu fehlen aber immer öfter die Lehrer.

Gerade sorbische Muttersprachler sehen deshalb das 2plus-Modell kritisch. Es sei eben für westdeutsche Migrationsmilieus entwickelt worden, sagt Domowina-Präsidiumsmitglied Marcel Braumann: "Uns geht es aber darum, unsere sorbische Parallelgesellschaft weiter zu pflegen." So könne man das durchaus nennen, denn die Integration in die Mehrheitsgesellschaft sei bei den Sorben kein Problem. Es müsse, so Braumann, die Möglichkeit geben, Klassen mit sieben Kindern zu bilden, statt mit nicht-muttersprachlichen Kindern aufzufüllen.

Die Attraktivität einer kleinen Sprache mit nur 20 000 Sprechern hoch zu halten, wird ohnehin immer schwerer in einer Welt voller Einflüsse von außen. Dabei bietet das Globale auch Chancen. Eduard Werner sieht das Sorbische als "Eintrittskarte für Europa". In einer Welt, in der gut eine Milliarde Menschen eine slawische Sprache spricht, kann das Sorbische Brücken bauen. "Hier ist ein Stück Sachsen, hier ist ein Stück Deutschland, das wir alle erhalten müssen", betont Werner.

Dafür haben der Bund und die Länder Sachsen und Brandenburg ab 2016 die Mittel für die Stiftung für das sorbische Volk aufgestockt. Bis zu 18,6 Millionen Euro Gesamtförderung soll die Stiftung demnach pro Jahr bekommen. Die Hälfte davon zahlt der Bund, weitere 6,2 Millionen Euro fließen aus Sachsen zu, die restlichen 3,1 Millionen aus Brandenburg. Das Geld werde auch dringend gebraucht, betont der Domowina-Chef, um bei den bisherigen Strukturen nicht mehr knapsen zu müssen. "Das ist nicht nur Geld, das obendrauf kommt", so Statnik. "Die Förderung wird einfach dem Bedarf angeglichen." Der Rest soll in moderne Lernmittel fließen. Erst wenn man in den Schreibprogrammen von Microsoft ordentlich sorbisch arbeiten könne, mit Grammatikprüfung und Fehleranzeige, "erst dann können wir vollumfänglich mit den großen Sprachen konkurrieren".