Ein verheerender Bombenanschlag auf Vertriebene in Syrien mit vielen Kindern als Opfer hat weltweit Entsetzen und Wut ausgelöst. Bei dem Anschlag starben mindestens 128 Menschen, darunter 68 Jungen und Mädchen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte. "Nach sechs Jahren Krieg und Gemetzel in Syrien ist das ein neuer Horror, der das Herz eines jeden bricht, der eins hat", sagte der Direktor des Kinderhilfswerks Unicef, Anthony Lake. Das US-Außenministerium sprach von einer "barbarischen Attacke".

Die Nachricht von dem Anschlag sei "tief erschütternd", erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. "Erneut sind Menschen in Syrien Opfer eines hinterhältigen Attentats geworden."

Die Autobombe war am Samstag westlich der Großstadt Aleppo explodiert, wo Busse mit rund 5000 Vertriebenen auf ihre Weiterfahrt warteten. Zunächst war unklar, wer für das Attentat in dem von Rebellen kontrollierten Ort Al-Raschidin verantwortlich war. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana sprach von einem Anschlag von "Terroristen". Oppositionsaktivsten beschuldigten hingegen Regierungsanhänger, hinter der Bombe zu stecken. Rebellengruppen wiesen jede Schuld von sich und verurteilten die Tat.

Ein Journalist, der in der Nähe der Explosion war, berichtete der Deutschen Presse-Agentur, vor der Detonation seien Kinder zu einem Auto gerannt, weil dort Chips verteilt worden seien. "15 Minuten später geschah die Explosion in dem Gebiet des Autos, wo die Chips verteilt wurden", sagte der syrische Kameramann Mohammed Raghib.

Papst Franziskus verurteilte den Angriff als "schändliche Attacke". In seiner Osterbotschaft sagte er: "Möge [der Herr] vor allem in diesen Tagen die Anstrengungen derjenigen unterstützen, die sich für (. . .) die Zivilbevölkerung in Syrien einsetzen, die Opfer eines Krieges geworden sind, der nicht aufhört, Horror und Tod zu säen."

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Mark C. Toner, sagte, oberste Priorität der USA in Syrien habe weiterhin die Niederschlagung von Terroristen. Unicef-Direktor Lake erklärte: "Wir dürfen uns davon nicht nur wütend machen lassen, sondern müssen unsere Entschlossenheit erneuern, unschuldigen Kindern in Syrien zu helfen." Seit Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs im Frühjahr 2011 sind in dem Konflikt rund 400 000 Menschen ums Leben gekommen, Millionen sind auf der Flucht.

An Bord der Busse waren rund 5000 Menschen, die zuvor im Zuge eines Abkommens aus den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kafraja gebracht worden waren. Sie mussten in Al-Raschidin stundenlang warten, weil die Umsetzung des Abkommens stockte. Die Einigung sieht vor, dass im Gegenzug etwa 2220 Menschen die von Regierungskräften eingeschlossenen Orte Madaja und Sabadani verlassen. Der Iran als Verbündeter der Regierung und Katar als Unterstützer der Rebellen hatten das Abkommen zwischen den Kriegsparteien vermittelt.

Kritiker verurteilen die Einigung über den Abzug von Tausenden Menschen aus den vier Orten als Zwangsbevölkerungsaustausch. In den vergangenen Monaten waren nach Abkommen zwischen Regierung und Rebellen bereits mehrere von der Regierung belagerte Orte evakuiert worden.

Nach der Explosion wurde der Transport der umgesiedelten Syrer fortgesetzt.

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Papst Franziskus richtete in seiner Osterbotschaft einen Friedensappell an die Welt und rief die Gläubigen dazu auf, die Hoffnung trotz des vielen Leids nicht zu verlieren. Die Oberhäupter der verschiedenen Kirchen in Jerusalem forderten Gerechtigkeit und Versöhnung. In seiner Osterbotschaft sagte Franziskus vor 60 000 Gläubigen auf dem Petersplatz, allen voran müssten die Anstrengungen derjenigen unterstützt werden, die sich für die kriegsleidende Bevölkerung in Syrien einsetzten. Die Menschen seien "Opfer eines Krieges geworden (. . .), der nicht aufhört, Horror und Tod zu säen". Anschließend sprach er den apostolischen Segen "Urbi et Orbi" ("der Stadt und dem Erdkreis"). Die Ungerechtigkeiten könnten manches Mal an Gott zweifeln lassen, machte Franziskus deutlich. "Aber wenn der Herr auferstanden ist, wie können dann diese Dinge passieren?", frage man sich. Wie könne so viel Unglück geschehen (. . .), wo ist der Herr?" Für vieles gebe es keine Erklärung. Davon dürfe man sich aber nicht entmutigen lassen.