Es ist ein Merkmal einer technischen Uni, dass sie mehr angewandte Forschung betreibt. Allerdings werden wir auch die Grundlagenforschung ausbauen und haben dafür unter anderem ein Anreizsystem ausgelobt.

Forschungsgelder werden ja meist eingeworben – werden auch Gelder aus dem Haushalt der Uni für die Forschung verwendet?

Der Haushalt, also die Landesmittel aus Potsdam, werden zwar für Lehre und Forschung ausgereicht, reichen aber bei Weitem nicht für beides aus. Für die Forschung werden beispielsweise Haushaltsmittel für die Infrastruktur, also für Bau und Unterhalt von Werkstätten und Laboren, eingesetzt. Die Uni ist zu etwa 70 Prozent vom Land ausfinanziert, der Rest sind wettbewerblich eingeworbene Drittmittel, das heißt Zuweisungen für Förderanträge aus verschiedenen Bundes-, EU- oder Landesprogrammen beziehungsweise der Wirtschaft.

In welchen Bereichen wird an der BTU am meisten geforscht?

Wir haben fünf Forschungsschwerpunkte. Zu den forschungsstärksten zählen der Energie- und Umweltbereich, gefolgt von der Materialforschung, Bauen/Architektur sowie Informations- und Kommunikationstechnik.

Wer forscht alles an der BTU?

In erster Linie Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter. Forschung findet aber auch schon in den Diplom- oder Masterarbeiten der Studierenden statt. An dieser Stelle ist die Verzahnung von Forschung und Lehre besonders deutlich, das unterscheidet eine Uni von einer Fachhochschule.

Wie viel muss denn ein Wissenschaftler forschen?

Die Professoren der BTU haben trotz Rücklagenkürzung 2011 die Drittmitteleinwerbung nochmals erheblich gesteigert. Jeder Lehrstuhlinhaber ist bestrebt, sich einen Ruf in seiner wissenschaftlichen Community durch gute Forschung zu erarbeiten. Diese Leistungen sind in der Öffentlichkeit sehr schwer wahrzunehmen.

Wie viele Firmen wenden sich direkt an die Uni?

Sie machen etwa 20 Prozent des Gesamtforschungsvolumens aus. Diese Firmen beauftragen dann vor allem Gutachten oder Planungen bei uns.

Welche Projekte sind aktuell an der Uni besonders gefragt?

Das ist schwer zu beantworten. Jedes Projekt ist wichtig – ob es nun das Energieforschungsprojekt GeoEn ist oder Geoflow, das Strömungsexperiment auf der Raumstation ISS.

Bleiben die Ergebnisse an der Uni?

Bei allen Verbundprojekten gibt es am Ende einen Bericht, der im Ministerium ausgelegt wird und im Internet einzusehen ist. Am besten ist es natürlich, wenn die Ergebnisse angewendet werden, also ein Technologietransfer stattfindet. Dann kann die Uni auch ein Patent anmelden.

Mit Prof. Dieter Schmeißer sprach Steffi Schubert