Edwin Zimmermann (55) aus Schöna-Kolpien bei Luckau, fühlt sich missverstanden, unfair behandelt, verfolgt: von der Justiz, von der CDU um Innenminister Jörg Schönbohm, sogar von Teilen seiner Partei.
Dass ihn das Potsdamer Landgericht wegen der so genannten Backofenaffäre zu elf Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt hat, bewertet er als „ungerecht“ . Die Begründung, er habe mit „hoher krimineller Energie gelogen und getäuscht“ , um 230 000 Euro Fördermittel „zum Wohle der Familie“ in eine Schaubäckerei auf dem Zimmermannschen Familienhof zu ergattern, sei für ihn „eine Beleidigung der ganzen Familie“ . Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Zimmermann und die Staatsanwaltschaft haben Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt.

Forderung auf Verzicht
Zimmermann will sich trotz der juristischen Hängepartie von seiner morgigen Kandidatur für ein SPD-Direktmandat in seinem Wahlkreis im Spreewald nicht abbringen lassen. Attacken der Landes-CDU um Jörg Schönbohm gegen sein Bemühen, trotz der Verurteilung wieder ein Abgeordnetenmandat zu bekommen, bügelt er ab. Schönbohm habe in der CDU-Spendenaffäre seinerzeit ja auch nicht gefordert, dass Helmut Kohl auf sein Bundestagsmandat verzichtet, rügt der Mann aus Schöna-Kolpin „Schönbohms Inkonsequenz“ .
Die Forderung aus dem SPD-Unterbezirksverband Dahme/Spreewald, er möge auf seine Kandidatur zu Gunsten der Lübbener Sozialdezernentin Silvia Lehmann verzichten, wehrt Zimmermann ab. „Für mich ist das wie ein Berufsverbot. Das kann ich nicht hinnehmen. Ich bin seit 1990 Politiker“ , sagt der gelernte Landmaschinenschlosser trotzig. Dem Bundestagsabgeordneten Peter Danckert, der Vorsitzender des Unterbezirks ist, wirft er Strippenzieherei hinter seinem Rücken vor. Der versuche, Ortsvereine zu beeinflussen, so Zimmermann. Dabei hätten sich doch weder SPD-Landeschef und Ministerpräsident Matthias Platzeck noch der SPD-Fraktionsvorsitzende Gunter Fritsch gegen seine Kandidatur geäußert. Von Fritsch fühlt sich der 120-Kilo-Mann gar bestärkt. Der hatte jüngst darauf verwiesen, dass das Gericht Zimmermann nicht das Recht entzogen hat, für drei Jahre öffentliche Ämter zu bekleiden, wie das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.
Danckert hat das Gefühl, dass er mit seinem Unterbezirk im Regen stehen gelassen wird. „Hier sind auch andere Gremien gefordert“ , findet er, weil „die SPD in Brandenburg durch die Sache ins Gerede“ kommen kann. Der Unterbezirk habe sich einstimmig gegen Zimmermanns Kandidatur entschieden. „Ich spreche natürlich mit einzelnen Delegierten und mache sie auf die Bedeutung ihrer Entscheidung aufmerksam. Das ist meine Verantwortung, schließlich geht es um ein politisches Mandat“ , sagt Dankert.
Zimmermann rebelliert gegen „dieses Diktat von oben“ , wie er sagt. „Für mich sind die Ortsvereine, also die Basis, entscheidend.“ Und die, so hat er für sich ausgemacht, akzeptiere ihn. „Die Leute mögen Edwin Zimmermann“ , interpretiert der Randspreewälder die Stimmung. Schließlich habe er den Wahlkreis schon zweimal gewonnen, auch im Jahre 1999, als ein Gerichtsprozess gegen ihn schon sehr wahrscheinlich war. „Ich will den Wahlkreis für die SPD zum dritten Mal gewinnen und für die Menschen auf dem Land etwas machen. Brandenburg war einmal Sprachrohr der ostdeutschen Landwirtschaft. Das müssen wir wieder werden“ , betreibt er Eigenwerbung.

Verzicht als einfachste Lösung
„Der Zimmermann ist eben ein Dickkopf“ , stellt Peter Schneider, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins in Lübben, fest. Er glaubt, „dass es die einfachste Lösung wäre“ , wenn Zimmermann verzichtet. Denn der habe ja nicht nur das Gerichtsurteil auf seinen Schultern, sondern auch noch einen Berg von Schulden. Aus Bürgschaften steht Zimmermann mit etwa 900 000 Euro bei Banken in der Kreide, hat persönliche Insolvenz angemeldet. „Wer privat nicht mit Finanzen umgehen kann, kann kein öffentliches Amt bekleiden“ , meint Schneider.
Der Ortsverein Lübben hat sich allerdings jüngst „mit klarer Mehrheit“ für Edwin Zimmermann als Spitzenkandidaten ausgesprochen. Dabei hatte der in der Vergangenheit in Lübben „immer einen schweren Stand“ , erinnert sich Schneider „Da war die Zustimmung selbst für Zimmermann eine Überraschung.“
Der Ortsverein Schenkenländchen dagegen will Zimmermann nicht als SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl haben. „Seine beste Zeit lag in den 90er-Jahren. Da hat er für die Bauern viel bewegt. Er hat aber Fehler gemacht und muss Konsequenzen ziehen“ , meint Ortsvereinschef Manfred Zöllner. Mit dem inzwischen gescheiterten Projekt eines Freizeitparks im Spreewald habe Zimmermann zuletzt „falsche Hoffnungen geweckt und warme Luft erzeugt“ . Zöllner macht beim Festhalten des „märkischen Dickschädels“ an seiner Kandidatur auch eine Portion „gekränkte Eitelkeit“ beim „Minister a. D.“ aus. Wenn Edwin Zimmermann morgen jedoch durch die Wahlkreiskonferenz nominiert wird, „dann wird sich Zöllner als guter Demokrat erweisen“ .
Ein eindeutiges „Ja“ für Zimmermann kommt aus dem Ortsverein Oberspreewald. „Wir haben Probleme mit unserer Abwasserentsorgung. Zimmermann hat sich aktiv im Landtag für Lösungen eingesetzt“ , sagt die Vereinsvorsitzende Brigitte Spitzer. „Zimmermann hat Unrechtes getan, das habe ich ihm auch gesagt. Doch er hat sich immer an unsere Seite gestellt.“

Gespaltene Meinungen
Und wie denkt das Wahlvolk über Wahlkämpfer Zimmermann„ Markthändler Günter Schubert aus Wüstermarke bei Luckau findet es „ziemlich skrupellos, für den Landtag zu kandidieren, nachdem ihn ein Gericht verurteilt hat“ . Rentner Siegfried Besser aus Lübben ist dagegen, „für ein öffentliches Amt zu kandidieren, wenn man vorbestraft ist“ . Andererseits, so sagt er, „haben andere Politiker auch Dreck am Stecken“ .
Elfriede Leichner, Rentnerin aus Lübben, ist gleichfalls eher skeptisch, fügt aber hinzu: „Wenn er von einer Mehrheit gewählt wird, dann soll es so sein.“ Hellmut Stoppe, Lehrer im Ruhestand aus Luckau: „Zimmermann will offensichtlich bis zum Letzten kämpfen. Ich habe ihn als Minister im Dahmer Stadtparlament erlebt und war beeindruckt. Er ist bei den Bauern beliebt. Die Entscheidung liegt bei seiner Partei.“
In Gröditsch bei Lübben, wo man im Juli 1000-jähriges Jubiläum feiert, hat sich das Festkomitee Zimmermann als Schirmherrn auserwählt und hält strikt an ihm fest. „Er hat viel für uns getan“ , sagt Helene Wilke vom Festkomitee. Und sie fragt: „Warum sollten wir uns von ihm abwenden““