Die rund 4660 Einwohner der Gemeinde betrachten das Treiben mit Interesse und Skepsis. "Da geht auch etwas Angst um", sagt ein 47 Jahre alter Anwohner. Ein Blick hinter die Mauern soll helfen, diese zu nehmen. Kurz bevor der Alltag in der Anstalt beginnt, öffnet das Gefängnis ausnahmsweise seine schweren Tore.

Ausgebuchte Besuchstage
"Das Interesse ist groß", berichtet Anstaltsleiter Uwe Hinz. Alle vier Besuchstage im September sind ausgebucht. Jeweils rund 30 Menschen werden im Halb-Stunden-Takt durch die Anstalt geführt. Am Ende werden mehr als 1900 Interessierte die 16 Hektar Anlage im ehemaligen Tagebaugebiet Neuseenland vor den Toren Leipzigs gesehen haben. "Man will schon wissen, wie das hinter dem Zaun aussieht und wie hier mit den Straftätern umgegangen wird", sagt ein Familienvater, der den ersten Besuchstermin nutzt.
Skeptisch beäugen die Gäste die Zellen in den vier Hafthäusern, in denen die jungen Straftäter nach dem Prinzip des Wohngruppenvollzugs zu je zwölf Häftlingen untergebracht werden. Die Schulräume mit Computer- oder Chemiekabinett werden bestaunt. Bewunderung für die Aula mit Bühne und die Sporthalle. Endgültig beeindruckt sind die Gäste in den Werkshallen und angesichts der Gewächshäuser, die der Garten- und Landschaftsausbildung hinter Gittern dienen.
"Ich bin erstaunt, was man hier alles für die Straftäter tut", sagt ein 68-Jähriger und scheint wenig begeistert. Erst als er hört, dass ausschließlich jugendliche Straftäter dieses Angebot nutzen können, wirkt er beruhigt. "Ich dachte schon, so einer wie der Mörder des neunjährigen Mitja kommt hierher." Den 63-Jährigen an seiner Seite bewegt etwas anderes: "Die geben sich hier so viel Mühe. Aber was nutzt das, wenn die Jungs rauskommen. Es gibt doch eh zu wenig Arbeit. Da wartet man doch nicht auf Jungs von hier."
Die schulische oder berufliche Ausbildung soll den Straftätern helfen, künftig straffrei zu bleiben. Um den Gefängnisaufenthalt nicht zu offensichtlich zu machen, werden die Prüfungen für den Haupt- oder Realschulabschluss von Schulen in der Umgebung abgenommen. "Das Zeugnis trägt dann nicht den Namen Regis-Breitingen", erklärt Fremdsprachenlehrer Udo Becker.

Kontakt mit Einwohnern
"Wenn man selber Kinder hat, tut einem das hier sehr weh. Es bleibt ein Gefängnis - trotz aller Möglichkeiten", sagt eine 69-Jährige. "Ein Hotel ist das nicht", räumt ein 72-Jähriger ein. Zum Besichtigungsbeginn erschienen ihm die Erklärung zum Erziehungsgedanken im Jugendstrafvollzugsgesetz suspekt und einige Angebote überflüssig. Eine Stunde später wirkt er sehr nachdenklich.
Auf diesen Denkprozess setzt Anstaltsleiter Hinz. "Wir wollen mit den Einwohnern im ständigen Kontakt sein", sagt der 43-Jährige. Ängste und Vorurteile seien normal. Entkräften könne man sie nur mit Transparenz. Diese soll auch bestehen bleiben, wenn der Alltag in der Anstalt begonnen habe. Spätestens Ende des Jahre soll das der Fall sein. Dann sollen alle Häftlinge aus der bisherigen Anstalt in Zeithain (Riesa-Großenhain) verlegt sein.