Erst habe er diplomatisch ungeschickt agiert, als er frühzeitig eine Beteiligung Deutschlands an einer UN-Friedensmission im Libanon ankündigte. Jetzt lege er bereits die Dauer des Einsatzes auf ein Jahr fest, obwohl nach wie vor mehr unklar als klar sei. "Naiv", schimpft auch die FDP. In den eigenen Reihen rümpft man ebenfalls die Nase, "unglücklich", sagt ein Unionspolitiker. Die Parlamentsdebatte über den Nahost- Einsatz könnte für den Minister zum Spießrutenlauf werden.
Allerdings wird es auch in der kommenden Woche noch keine Entscheidung von Bundeskabinett und Bundestag geben. Berlin visiert nun die erste September-Woche an. In der Hoffnung, dass bis dahin seitens der UN die Einsatzregeln und der Operationsplan für die Mission vorliegen. Dann soll der Bundestag debattieren und abstimmen. Und genau dabei will die Opposition insbesondere die Rolle des Verteidigungsministers bei der Libanon-Planung kritisch beleuchten. Jung habe sich als ein "Hort der Konfusion" herausgestellt, lästert der grüne Parteichef Reinhard Bütikofer.
Zur Sprache kommen dann auch die Pläne des Ministers, für sechs Milliarden Euro neue Rüstungsgüter kaufen zu wollen. Das Verteidigungsministerium legte gestern Wert auf die Feststellung, dass es sich bei der Ausgabe nicht um zusätzliches Geld handele, sondern die Liste der seit Jahren vorgesehenen Projekte nur fortgeschrieben werde. Auch würden die Kosten zum Teil erst 2007 anfallen. Doch in der neuen Eile sieht so mancher in Berlin einen Beleg, dass die Bundesregierung grundsätzlich bereit ist, die Bundeswehr zukünftig in noch mehr Auslandseinsätze zu entsenden. Jung plane anscheinend, so ein Verteidigungsexperte, dafür die anerkannten, maritimen Fähigkeiten der Bundeswehr weiter auszubauen. Seine Einkaufsliste könnte dafür ein Beweis sein: vier Fregatten vom Typ 125 für 2,2 Milliarden Euro sowie zwei U-Boote vom Typ 212 für 824 Millionen Euro. Dazu wird das Heer 270 gepanzerte Transportkraftfahrzeuge vom Typ Boxer bekommen, die optimalen Schutz gegen Minen und Beschuss bieten. Kostenpunkt: 891 Millionen Euro. Eine Milliarde Euro will Jung für Forschung, Entwicklung und Erprobung von Rüstungsmaterial ausgeben.
Ob diese Planungen auch umgesetzt werden, steht aber noch nicht fest. Der Haushaltsausschuss des Bundestages muss zustimmen. "Die Sicherheit der Soldaten muss zunächst Vorrang haben', will die FDP die Liste kritisch prüfen. Die Grünen beantragten eine Sondersitzung der zuständigen Berichterstatter der Fraktionen.