Das wurde wegen des Flugverbotes abgesagt. Die bislang gekauften Karten erhalten dennoch ihre Gültigkeit. Nach DFB-Angaben wird am 15. September ein Länderspiel der Frauen gegen Kanada in Dresden ausgetragen. Die RUNDSCHAU sprach mit Dresdens WM-Manager Sören Glöckner über den Stand der Vorbereitungen, Sicherheitsfragen oder die Auswirkungen auf die Stadt Dresden.

Noch heute schwärmt Deutschland vom „Sommermärchen 2006“. Erwarten Sie in Deutschland und Dresden eine ähnliche Euphorie?

Der Sommer 2006 ist vielen wirklich noch als ein Wunder in Erinnerung. Wer hätte sich zuvor vorstellen können, dass wir das Turnier, unsere Gäste und das ganze Land mit soviel Herzlichkeit, Stimmung und Leidenschaft fluten? Wir waren doch alle von uns selbst überrascht. Zur Leichtathletik-WM in Berlin hat sich das fortgesetzt. Für die Weltmeisterschaften 2010 und 2011 wünschen wir uns eine ähnliche Euphorie. Ich bin mir sicher, dass es uns gelingen wird, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Vier Spiele der WM 2011 finden in Dresden statt. Gibt es eine Chance, dass die deutsche Mannschaft in Sachsen auflaufen wird?

Die deutsche Mannschaft ist als Gastgeber und Titelverteidiger bereits auf Platz 1 der Gruppe A gesetzt. Damit können wir bereits heute ausschließen, dass unsere Frauennationalmannschaft zum WM-Turnier in Dresden auflaufen wird. Zur Auslosung im November 2010 in Frankfurt werden wir dann erfahren, welche Teams in Dresden spielen werden. Darunter werden in jedem Fall auch weitere Titelanwärterinnen sein.

Wie ist der Stand der Kartennachfrage für die Spiele in Dresden?

Insgesamt sind schon über die Städteserien und Gruppentickets 220 000 von rund 700 000 im freien Verkauf verfügbaren Karten abgesetzt. Damit sind wir sehr zufrieden. In Dresden haben wir zum heutigen Tag für jedes Spiel mehr als 6 000 Karten verkauft. Die Logenplätze sind bereits ausverkauft.

Wird es Aktionen im Nachbar-Bundesland Brandenburg geben, um für die WM und volle Stadien zu werben?

Aktuell konzentrieren wir uns mit unseren Aktionen für die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 2010 auf die Region Dresden. So sind wir derzeit mit unseren Nationalspielerinnen auf einer Schul- und Vereinstour. Am 29. Mai werden wir mit unserer Roadshow auf dem Dresdner Altmarkt haltmachen. Die Planungen für 2011 sind noch nicht soweit, dass ich konkrete Aktionen für Berlin und Brandenburg benennen kann.

Welche Effekte erwartet sich die Stadt von der Rolle als WM-Gastgeber?

Diese Frage können die Vertreter der Stadt sicher besser beantworten. Aus meiner Sicht ist es so, dass Dresden zur Erhöhung der eigenen Anziehungskraft nicht mehr allein auf Kunst und Kultur, sondern nun auch auf internationale Sport events setzt. Bereits 2008 ist das mit der Ausrichtung der Schacholympiade sehr eindrucksvoll gelungen. Mit der FIFA-WM werden viele Gäste nach Dresden kommen und die Stadt unter einem eigenen Gesichtspunkt für sich entdecken: mit Fußball im Mittelpunkt. Aber auch die Vernetzung der vielen Institutionen, welche an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt sind, dürfte als positiver Effekt nicht zu unterschätzen sein. Nicht zuletzt erwartet die Stadt auch einen nachhaltigen Schub für den Frauenfußball in der Region.

Sie waren bereits bei der Organisation der WM 2006 dabei. Was sind die größten Unterschiede zwischen Männer- und Frauen-WM, beispielsweise beim Thema Sicherheit?

Die FIFA hat für ihre Weltmeisterschaften einheitliche Standards entwickelt. Deshalb sind die organisatorischen Ansprüche durchaus mit der WM 2006 zu vergleichen. So sind beispielsweise Versorgungsleitungen für Strom, Telefon, IT und TV doppelt abzusichern. Anders wird die Sicherheitslage einzuschätzen sein. Hier kommen die Auflagen ja nicht allein von der FIFA. Wir gehen davon aus, dass wir die Stadien bei Weitem nicht so hoch absichern müssen wie 2006. Damit wird vieles leichter. Das geht bei Transport und Logistik los und hört bei der Einlasskontrolle auf. Das geht alles schneller und ist nicht so personalintensiv. Kein Zulieferer muss sich beispielsweise zwei Wochen im Voraus mit Fahrzeug und Fahrernamen bei uns anmelden.

Im Juli steigt bereits die U20-WM in Deutschland, ebenfalls mit Dresden als Spielort. Was können Sie da noch lernen für den Ernstfall 2011?

Die U 20-WM ist auch ein Ernstfall. Wir wollen für die Frauenteams auch in diesem Turnier die gleichen Rahmenbedingungen wie 2011 zur Verfügung stellen. Dennoch ergibt sich für uns die Gelegenheit, unsere konkreten Planungen in der Praxis auszutesten. Bisher haben wir die verschiedenen Sicherheitszonen, die getrennten Wegeführungen für verschiedene Gäste wie Publikum, Medien, FIFA, VIPs, die Anfahrwege und Parkplätze oder die Einrichtung der Medienzentren nur auf dem Papier. Für das Stadion liegen noch keine Erfahrungen vor, ob alles so auch in der Praxis funktioniert. So können wir unsere Planungen prüfen und optimieren. Und letztendlich können wir unser Personal trainieren.

Viel wird vom Abschneiden der deutschen Frauen abhängen. Was trauen Sie dem Titelverteidiger bei der Heim-WM zu?

Unseren U 20-Frauen wünsche ich den Titelgewinn. Vor zwei Jahren waren sie knapp dran und sind am Ende Dritte geworden. Die WM 2011 wird sehr spannend. Für die deutschen Frauen wird es schwer, denn die besten Mannschaften spielen alle auf sehr hohem Niveau. Da kommt es auf die Tagesform an. Die steigt bekanntlich mit der Stimmung im Stadion. Es könnte also sein, dass wir mit unserer Gastgeberrolle zum dritten Titelgewinn in Folge beitragen können.