Die "Jungen Konservativen" demons-trieren für den Irak-Krieg. Kritische polnische Stimmen zu den amerikanischen Kriegsplänen im Irak sucht man dieser Tage in den polnischen Medien vergebens. "Auch wir sind Europa", hallte es einstimmig aus dem polnischen Pressewald, nachdem Polen ohne Rücksprache mit Brüssel und Athen die "Erklärung der Acht" unterzeichnet hatte.
"Weder die französische, noch die deutsche Politik dürfen das Fundament der europäischen Politik sein", kommentierte die Tageszeitung "Rzeczpospolita". Antiamerikanische Gefühle und Pazifismus würden von einigen europäischen Staaten für innenpolitische Zwecke missbraucht, was dem europäischen Integrationsgedanken widerspreche, kritisierte das Blatt.
Konsultiert wurde vor der Unterschrift weder das Parlament noch die öffentliche Meinung, die zu 51 Prozent ein militärisches Vorgehen gegen den Irak - und sei es mit UN-Mandat - ablehnt.
Doch eine Debatte über die Leitlinien der polnischen Außenpolitik hatte schon Mitte Januar gezeigt, dass auch die Opposition hinter den Kriegsplänen der USA steht. "Dieser Krieg ist auch unser Krieg", verkündete damals der Parteichef von "Recht und Gerechtigkeit", Jaroslaw Kaczynski.
Vor allem historische Gründe sind für das enge Freundschaftsverhältnis zwischen Polen und den USA verantwortlich. Schon im 18. Jahrhundert kämpfte der polnische General Tadeusz Kosciuszko im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die USA haben Polen nie angegriffen und nach dem Zweiten Weltkrieg als einzige nicht mit den real-sozialistischen Regimes angebandelt. Sie haben die Solidarnosc unterstützt und Radio Free Europe und schließlich Polen gegen den Widerstand Russlands in die Nato geholt. Eine wichtige emotionale Rolle spielen auch die fast zehn Millionen Polen in den USA. Fast jede polnische Familie hat zumindest einen entfernten Onkel in Amerika.
Bei seinem Schulterschluss mit den USA hat Warschau aber auch seine eigene Stellung in Europa im Blick. "Polens besondere Beziehung zu den USA ist unser Trumpf in der EU und untermauert unsere Stellung dort", sagte Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz bei seiner Neujahrsansprache im Sejm. Die Irak-Krise ist für Polen nun willkommener Anlass, um auf dieser Klaviatur weiterzuspielen.
"Der Krieg ist schon beschlossene Sache. Dagegen können wir nicht viel unternehmen", gibt sich Dariusz Gabrylewski, einer der Mitorganisatoren eines für nächstes Wochenende geplanten Protestmarsches zur amerikanischen Botschaft, realistisch. "Der Krieg vermag im Moment, vielleicht 50 Leute in Warschau zu Protesten zu mobilisieren", schätzt Außenpolitexperte Jerzy Marek Nowakowski.