"Die Dutroux-Affäre hat eine klaffende Wunde in unsere Gesellschaft gerissen", sagte der belgische Premierminister Guy Verhofstadt jüngst in einem Interview. "Die Wunde hat nie heilen können. Hoffentlich kann sie es nach dem Prozess."
Nicht alle Belgier teilen diese Hoffnung des Regierungschefs. Die Eltern der beiden jüngsten Opfer etwa wollen der Verhandlung des Geschworenengerichts in Arlon fernbleiben. Sie glauben nicht mehr an eine befriedigende Aufklärung der Frage, wie ihre damals achtjährigen Töchter Julie Lejeune und Mélissa Russo entführt und misshandelt wurden. Sicher weiß man über das Schicksal der beiden Mädchen nur, dass sie nach ihrem Verschwinden am 24. Juni 1995 irgendwann verdurstet oder verhungert sind. Die Leichen der Kinder wurden im Sommer 1996 im Garten eines Dutroux-Hauses ausgegraben.
Im Fall von Julie und Mélissa hat der Hauptangeklagte Dutroux nur das zugegeben, was ihm mit einiger Sicherheit nachgewiesen werden kann: Das Einsperren der beiden Kinder in einem getarnten Verließ im Keller seines Hauses.
So verhielt sich Dutroux mit krimineller Intelligenz auch zu allen anderen Vorwürfen. Die Morde an zwei anderen Mädchen und einem Komplizen stritt er ebenso ab wie etliche Vergewaltigungen. Sexuellen Missbrauch, den er selbst gefilmt hatte und die Gefangennahme von insgesamt sechs Mädchen räumte er ein.