Frau Baerbock, was bedeutet das Ergebnis der Bundestagswahl für Brandenburgs Grüne?
Klar hat uns das Ergebnis auch hier enttäuscht, weil uns der Bundestrend nach unten gezogen hat. Aber als Brandenburger Bündnisgrüne haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel Zuspruch bekommen. Sowohl mit Blick auf unsere Landtagsfraktion und die Partei insgesamt als auch bezüglich unserer Themen. Wir machen uns daher weiter stark für eine zukunftsfähige Energiepolitik, eine ökologische Landwirtschaft statt Massentierhaltung und für gute Bildung.

Wäre am Wahlabend eine Landtagswahl gewesen, wären Sie aber aus dem Landtag geflogen . . .

Aus meiner Sicht unterscheiden die Wählerinnen und Wähler sehr wohl zwischen Landes- und Bundespolitik. Das sieht man auch am Ergebnis der CDU, die in Brandenburg alle Wahlkreise, außer den von Steinmeier, gewonnen hat - da spielte die Landespolitik keine Rolle. Die Leute haben Angela Merkel gewählt, auch in Brandenburg.

Im kommenden Herbst ist Landtagswahl . . .

Und ich habe keine Zweifel, dass wir dann wieder in den Landtag kommen. Wir haben in den vergangenen Jahren in Brandenburg eine sehr wahrnehmbare Oppositionsarbeit gemacht, sei es beim Thema Flughafen oder beim Thema Braunkohle. Wir haben uns erfolgreich für eine Senkung des Wahlalters auf 16 sowie für mehr Transparenz im Landtag eingesetzt. Wir machen Druck, wenn Rot-Rot nur verwaltet statt Brandenburgs Zukunft zu gestalten. Und wir sind auch in den Kommunen immer stärker präsent.

Im Bund gäbe es mit Schwarz-Grün eine neue Machtoption. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin dafür, dass wir mit allen demokratischen Parteien Sondierungsgespräche führen. Aber ich habe im Wahlkampf auch festgestellt, dass unsere inhaltlichen Schnittmengen mit der CDU doch recht gering sind. Deswegen glaube ich nicht, dass es zu Schwarz-Grün kommen kann.

Und wie sehen Sie das in Brandenburg?
Ich halte es für falsch, in einem Wahlkampf mögliche Koalitionen von vornherein zu verneinen. Für mich daher ist zentral, mit welcher anderen Partei man für eine echte Energiewende, zukunftsfähige - also nachhaltige - Arbeitsplätze, starke Bürger rechte und soziale Gerechtigkeit sowie gute Bildung sorgen kann. Eine rote Linie für uns Grüne in Brandenburg ist dabei die Frage nach neuen Tagebauen in der Lausitz. Die wird es mit uns nicht geben.

Was wollen Sie als einzige Brandenburger Bundestagsabgeordnete der Grünen künftig in Berlin erreichen?

Ich will versuchen, die Themen aus unserer Region in den Bundestag zu tragen. Zum Beispiel das so dringend notwendige Nachtflugverbot am Hauptstadtflughafen BER. Selbstverständlich die Frage des schrittweisen Kohleausstiegs. Aber auch Herausforderungen wie der Mangel an Ärzten oder auch die Ausdünnung des öffentlichen Nahverkehrs im ländlichen Raum. Klar ist jedoch auch, wenn es eine Große Koalition gibt, wird unsere zentrale Aufgabe sein, dafür zu sorgen, dass grüne Themen nicht hinten runterfallen.

Mit Annalena Baerbock

sprach Benjamin Lassiwe