Erst nach dem Ende des Kommunismus in Polen wurde das mutige Handeln der Sozialarbeiterin und Krankenschwester bekannt. In Deutschland setzt sich jetzt ein emeritierter Professor dafür ein, Sendler beim Weltkongress der Sozialarbeiter zum Ehrenmitglied zu ernennen.
"Irena Sendler ist mit ihrem Mut und Einsatz ein Vorbild für uns alle", sagt Joachim Wieler. Zusammen mit Studenten der Fachhochschule für Sozialwesen in Erfurt ist er an der Organisation des Programms beteiligt. 1500 Sozialarbeiter werden im Sommer in München erwartet.
Der Wissenschaftler hat die Katholikin im Januar besucht. Es sei eine der bewegendsten Begegnungen in seinem Leben gewesen, erzählt Wieler. Trotz allem, was diese Frau erlebte, habe sie ein ermutigendes Lächeln. Nicht nur Wieler nennt sie "die unbekannte Oskar Schindler" - in Anlehnung an den deutschen Industriellen Oskar Schindler, der während der Nazizeit vielen Juden das Leben rettete.
Irena Sendler war Mitglied der Widerstandsgruppe Zegota, die nach Kriegsbeginn mit der polnischen Exilregierung in London zusammenarbeitete. Bereits 1939 organisierte sie an der Zegota-Spitze Lebensmittel und Unterkünfte für bedrohte Juden. Dann rettete sie Waisenkinder und später Kinder der im Ghetto internierten Juden.
Als Sozialarbeiterin und Krankenschwester im Ghetto schmuggelte sie die Kinder in polnische Familien, Klöster und Waisenhäuser. Um die Jungen und Mädchen an den Wachleuten vorbeizubringen, betäubte sie bisweilen die Kinder, sodass diese wie tot aussahen. Als Krankenschwester in der Abteilung für ansteckende Krankheiten wurde sie von den Wachleuten nicht so genau kontrolliert. "Die Nazis hatten riesige Angst vor dem Ausbreiten von Seuchen", weiß Wieler.
Das Schwierigste sei für Sendler gewesen, die Eltern davon zu überzeugen, dass sie sich von ihren Kinder trennen müssen, um diese zu retten. 1943 wurde sie festgenommen. Doch selbst unter Folter gab sie die Namen der Kinder nicht preis. Die Nazis verurteilten sie zum Tode, doch durch Bestechung eines hohen Beamten wurde sie gerettet.
Bis Kriegsende lebte Sendler versteckt. Unter den Kommunisten war sie wegen ihrer Zegota-Mitgliedschaft erneuter Verfolgungen ausgesetzt. "Ihre mutigen Taten durften erst nach der politischen Wende in die Öffentlichkeit dringen", sagt Wieler. Im Jahr 2003 erhielt sie die höchste Auszeichnung Polens, den Weißen Adler, für Tapferkeit und großen Mut. Vor Kurzem erschien eine Biografie über Irena Sendler in deutscher Sprache. Der Titel: "Die Mutter der Holocaust-Kinder". Infos im Internet: www.irenasendler.org www.socialwork2006.de