Gerade noch war das Zimmer 134 im Lehrgebäude 3A der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus proppenvoll. Das Semester neigt sich dem Ende entgegen. Auch im Fachbereich Aerodynamik und Strömungslehre von Dr. Florian Zaussinger. "Morgen schreiben wir eine Klausur", sagt Zaussinger. "Da gibt es viel Nachfragebedarf bei den Studierenden." Ein Doktorand, Matthias Neben, der mit Zaussinger das Zimmer teilt, fügt allerdings hinzu: "Hier herrscht immer Tag der offenen Tür."

Aber nicht nur diese Offenheit und Erreichbarkeit hat Zaussingers Studenten Kevin Gretschel dazu bewogen, den 37-jährigen Mathematiker für den Brandenburger Lehrpreis 2015 vorzuschlagen. Für Gretschel lebt sein Dozent das Motto des diesjährigen Wettbewerbes, in dem ausgezeichnete Beispiele zur Beherrschung der "wachsenden Heterogenität von Studierenden als eine Herausforderung für gute Lehre" gesucht waren.

"Ich habe in meinem Empfehlungsschreiben mit voller Überzeugung geschildert, wie Florian Zaussinger in einer nicht gerade einfachen Materie alle Studierenden mitnimmt", erläutert Gretschel. Gegenstand für die Preis-Jury waren Vorlesung und Übung zum Thema "Kompressible Strömungen" und "Numerische Strömungsmechanik". Zaussinger gelingt es, sagt Gretschel, nicht nur die unterschiedlichen Studienjahre und den oft erheblichen Altersunterschied der Studierenden zu berücksichtigen. Er schaffe es auch, die verschiedenen Ausgangsvoraussetzungen zu kompensieren und divergierende Lerntypen zu bedienen.

Doktorand Matthias Neben beantwortet die Frage nach der besonderen Art Zaussingers, die ihn preisverdächtig gemacht hat, mit einer Episode: "In einer Veranstaltung für Doktoranden war er durch Fragen der Zuhörer bereits weit vom Thema abgewichen. Aktualität ging über das Konzept der Vorlesung. Und als letztlich noch ein Doktorand aus dem Iran dazukam, setzte Zaussinger die Vorlesung mit Befragung in deutsch und englisch fort." Für Neben ist es diese Flexibilität, gepaart mit Dynamik, die Zaussinger als Dozent auszeichnet. Hinzu komme sein Bemühen um hohe Verständlichkeit, "wobei er nicht davor zurückschreckt, bis zum Urschleim zurückzugehen".

Es ist zweifellos die lockere Art des Österreichers Zaussinger, mit Menschen umzugehen, die ihn von anderen Dozenten unterscheidet. Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD) hatte während der Preisverleihung betont, "dass es den ausgezeichneten Lehrenden mit ihren Projekten, Seminaren, Vorlesungen und Übungen hervorragend gelungen ist, Studierende zu fesseln, zu informieren und zu motivieren". Zaussinger räumt ein, dass ihm dies aber nicht in die Wiege gelegt worden sei. Er habe sich das pädagogische und didaktische Rüstzeug über das berufsbegleitende Zertifikatsprogramm beim Netzwerk Studienqualität Brandenburg erworben: in gut 200 Stunden in zwei Jahren.

Hier hat der 37-jährige Wissenschaftler auch mitgenommen, Inhalte den aktuellen Bedürfnissen und Interessen der Studierenden anzupassen sowie neue Technologien einfließen zu lassen. Deshalb stellt Zaussinger seine Vorlesungen und Übungen auch immer wieder infrage, gibt Evaluierungsbögen aus, auf denen Studierende ihre Einschätzungen abgeben. Hinzu kommt die Einbeziehung in die Forschung. "Mit der Masterarbeit streben wir zugleich eine wissenschaftliche Veröffentlichung an", erklärt Zaussinger. "Die Studierenden sollen Forschungsluft schnuppern - egal, wohin es sie in der Zukunft verschlägt."

Die wissenschaftliche Karriere von Florian Zaussinger begann in Wien und setzte sich in München fort, wo er Mathematik und Numerik studierte. Am Max-Planck-Institut in Garching bei München promovierte er mit Auszeichnung. Dass er 2011 von Süddeutschland in den Osten an die BTU gegangen ist, hat vor allem mit der Liebe zu tun. Denn Zaussinger hat in München seine Frau kennengelernt und ist mit ihr in deren Heimatort nach Herzberg (Elbe-Elster) gezogen.

Am BTU-Lehrstuhl Aerodynamik und Strömungsmechanik fühlt sich Zaussinger wohl, ist zudem Leiter der Simulation des Weltraumexperiments Geo-Flow II. Seine Aufgabe besteht unter anderem darin, Ergebnisse nach der Rückkehr von der Weltraumstation ISS zu berechnen, zu reproduzieren, damit auftretende Lücken mit neuen Technologien geschlossen werden können.

Sein Ziel an der BTU ist die Habilitation. Zaussinger: "Wenngleich es europaweit schwierig ist, eine Professur zu erhalten - ich arbeite daran." Lehrstuhlinhaber Prof. Christoph Egbers ist stolz auf einen seiner promovierten Mitarbeiter: "Herr Dr. Zaussinger wird seinen Weg in der Wissenschaft gehen." Der Wohnort Herzberg nahe Berlin, Dresden, Leipzig - und Cottbus natürlich - ist dabei eine flexible Zukunftslösung.