Frau Bulmahn, wie war Ihre erste Reaktion auf das Wahlergebnis?
Ich muss es natürlich akzeptieren. Aber ich weiß auch, dass es für die USA selbst wie auch für uns in Europa ein sehr schwieriges Wahlergebnis ist.

Sie waren erst vor zwei Wochen mit der Atlantik-Brücke in Wisconsin. Was ist die Ursache für diesen Ausgang?
Die Saat der Hassprediger, die ja schon seit Jahren gestreut wird, ist aufgegangen. Die USA sind tief gespalten; die Wunden, die in diesem Wahlkampf geschlagen worden sind, werden so schnell nicht wieder zu schließen sein. Aber man darf nicht vergessen, dass es eine starke Zivilgesellschaft in den USA gibt, die sich für soziale Rechte aller einsetzt, kurz für wichtige universelle Werte.

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen erstrecken sich aber nicht nur auf die Zivilgesellschaft, sondern auch auf die Regierungen. Wie sehen Sie da das zukünftige Verhältnis?
Das wird sehr stark davon abhängen, wie sich die neue Regierungsmannschaft zusammensetzt. Wichtig wird auch sein, wie die Republikaner mit ihrer Macht umgehen; in beiden Häusern des Parlaments haben sie eine Mehrheit. Von ihnen wird es abhängen, ob Trump seine Ankündigungen, internationale Verträge wie zum Beispiel das Iran-Abkommen aufzukündigen und sich aus der UN zurückzuziehen, tatsächlich wahrmachen kann. Die Gesundheitsreform, so fürchte ich, wird in jedem Fall zurückgenommen werden, mit gravierenden Folgen für die Schwächsten in den USA.

Müssen sich Deutschland und Europa darauf vorbereiten, ihre Sicherheitsinteressen künftig stärker allein zu vertreten?
In der öffentlichen Debatte geht es bei dieser Frage häufig sofort darum, dass Deutschland mehr für Verteidigung ausgeben muss. Das kann sein, ist aber nicht der entscheidende Punkt. Entscheidend wird sein, dass Europa gemeinsam eine starke Stimme in der internationalen Politik sein muss. Ob in Syrien, in der Türkei oder der Ukraine. Dafür haben alle europäischen Regierungen jetzt eine noch größere Verantwortung als bisher.

Weltweit fühlen sich die Populisten im Aufwind. Welche Konsequenzen hat das amerikanische Ergebnis für den Umgang mit ihnen?
Wir müssen eine adäquate Antwort auf die Fragen und Sorgen der Menschen finden. Wir müssen die Unsicherheiten, die viele angesichts der globalen Entwicklungen empfinden, nicht nur ernst nehmen, sondern auch überzeugende Lösungen anbieten. Aber wir müssen auf der anderen Seite auch denen klar Einhalt gebieten, die nur mit Illusionen um sich werfen und die Demokratie mit Hass überziehen.

Sehen Sie auch Konsequenzen für den Stil des heraufziehenden Bundestagswahlkampfes?
Wir sollten und werden nicht so tun, als ob alle einer Meinung sind. Das sind wir ja auch nicht. Wir müssen uns aber argumentativ mit den Unterschieden auseinandersetzen und dürfen den anderen nicht verunglimpfen.

Mit Edelgard Bulmahn

sprach Werner Kolhoff