Freitagabend in der Eishalle: Tische füllen sich, die Schlange am Imbiss wird länger. Currywürste dampfen, Pommes glänzen in sattem Gold. Draußen vor der Tür wird das als Kaltland gescholtene Sachsen seinem Ruf gerecht - es ist saukalt. Um wieder Wärme im zerstrittenen Land zu verbreiten, dafür war dieser Abend gedacht. Für die Dankesparty hatte die Staatskanzlei 3000 Einladungen verschickt an Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren.

Thomas Liskowsky (28) sitzt am weißgedeckten Bierzelt-Tisch und weiß nicht, ob es eine gute Idee war, zu kommen. Da werde jetzt halt mit großem Tamtam "mal schnell danke gesagt, und das war's dann", sagt er. Es müsse doch um was anderes gehen, um Anerkennung.

Was Richtiges machen

Der Musikstudent gibt seit Monaten Deutschkurse in Leipzig. Weil er "nicht mehr auf Demos gehen, sondern auch mal was Richtiges machen" wollte, hat er mit seinen Kumpels ein Kurssystem aufgebaut. Jeder ist mal dran, kaum einer von ihnen ist gelernter Sprachlehrer. Darauf kommt es auch nicht an, sagt er. Die Schüler, die wollen reden, wollen ihre Geschichte erzählen und dabei Deutsch lernen. "Die Politik muss hinter dem stehen, was wir machen", sagt er, aber den Eindruck hat er noch nicht.

Derweil will der Gastgeber auf der Bühne seinen Gästen vermitteln, dass er hinter ihnen steht. "Was Sie täglich tun, ist ein starkes Zeichen der Barmherzigkeit", sagt Stanislaw Tillich (CDU) den an die 2000 Menschen im Saal. Eine lange Rede lässt der Regierungschef lieber bleiben, nur ein paar Sätze. Er sagt, er will, "dass Sachsen eine starke Gemeinschaft ist". Und es brauche "einen starken Staat, der Sie schützt und unterstützt".

Die Party war ihm persönlich wichtig, dafür fiel der Neujahrsempfang diesmal aus. Statt der üblichen 1000 Verdächtigen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Medien feiert er jetzt mit Ärzten, Rotkreuz-Helfern, Leuten, die unbegleitete Minderjährige bekochen. Ja, er wolle mit allen "einen fairen Dialog darüber führen, was wir noch besser machen können".

Das Netzwerk "Dresden für alle" hat da ganz konkrete Vorstellungen: Der Ministerpräsident soll politischen Hetzern entschieden entgegentreten, auch aus der CDU, fordert die Initiative im offenen Brief: "Seien Sie vor Ort, wenn Menschen diese Grundwerte und geflüchtete Menschen bedrohen und sträflich verletzen."

Am Dienstag sagte Tillich in seiner Erklärung nach Clausnitz und Bautzen, es komme nicht darauf an, "dass der Ministerpräsident immer vor Ort ist, sondern auf eine breite gesellschaftliche Bewegung". Und statt fragwürdige Wortmeldungen zu rüffeln, wie sie von der Bundestagsabgeordneten Veronika Bellmann oder dem Landtagsabgeordneten Alexander Krauß kamen, verlor sich der Parteichef im Vagen. Er sprach von "unterschiedlichen Meinungen", die es in der CDU gebe und davon, dass "nicht jede Meinung eine schlechte Meinung" sei.

Linke und Grüne nicht dabei

Das traf auf viel Unmut. Linke und Grüne blieben deshalb der Dankesparty fern. 90 geladene Helfer sagten ab. Erst wenn Tillich endlich klare Kante gegen Menschenfeindlichkeit zeige, sagte Linken-Chef Rico Gebhardt, werde er mitfeiern.

Rody Meilicke sieht das entspannter. Er ist eigentlich nur gekommen, "weil ich Leute treffen wollte, die auch was machen", sagt der 35-jährige Straßenbahnfahrer aus Leipzig, der die F-Jugend beim SV Lindenau trainiert. Auch er, Kurde aus Syrien, wollte was tun, holte Kinder aus den Unterkünften zum Training. Jetzt isst er Currywurst in der Eishalle, während auf der Bühne SPD-Chef Dulig dran ist. Der sagt: "Danke, dass Sie in dem anderen zuerst das gesehen haben, was man sehen muss. Nämlich einen Menschen."