Die Lage der Dinge aus Sicht des Martin Dulig: "Das Wahlergebnis war kein Triumph, aber wir haben jetzt alle Trümpfe in der Hand." Sprach der SPD-Vorsitzende und Spitzenkandidat der Landtagswahl am Freitagabend zu seinen Genossen. Seit drei Wochen handelt Dulig mit der CDU einen Koalitionsvertrag aus. Er will regieren, jetzt müssen die Genossen folgen. Ohne deren Ja im Mitgliedervotum wird es keine zweite CDU-SPD-Regierung in Sachsen geben.

So wurde Duligs Wiederwahl am Freitag auch zu einem Vorab-Entscheid zur Koalition. Das Ergebnis lässt hoffen: Mit 82,7 Prozent bestätigten die 136 Delegierten den 40-jährigen Moritzburger an der Spitze - 1,2 Prozent mehr als vor zwei Jahren.

Das, obwohl intern nicht wenige vom Wahlkampf genervt waren, den die Sachsen-SPD auf ihren Spitzenkandidaten fokussiert hatte. Trotz Küchentisch-Karawane, trotz Badelatschen-Tour, trotz Schützenhilfe von Roland Kaiser, Ingo Appelt und Jan-Josef Liefers langte es am 31. August nur für 12,4 Prozent. Mit dem gleichen Wert blamierten sich zwei Wochen später die Thüringer Genossen. Doch dem konnte der Spitzenmann am Freitag in der alten Fertigungshalle der Dresdner Zeitenströmung auch Gutes abgewinnen. Man habe den Mut gehabt, es anders zu machen, man habe "die Leute überrascht" - und so erreicht, "dass man bundesweit mit Respekt von uns redet". Und nun geht es an die Ernte. In dieser Woche soll der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD stehen. Nächsten Montag wird er an die 4353 sächsischen SPD-Mitglieder verschickt. Das Ergebnis verkündet der neu gewählte Landesvorstand am 9. November. Die größten Ängste der Genossen vor einer Koalition mit der übermächtigen Union versuchte Dulig, vorab einzufangen. Erstens: "Wie werden Euch nur einen Vertrag zur Abstimmung vorlegen, der garantiert, dass sozialdemokratische Inhalte umgesetzt werden", versprach Dulig vorab. Und vor allem: "Eine Koalition bedeutet keine Selbstaufgabe." Man könne sich durchaus als kleiner Partner stark behaupten, ohne an die Wand gedrängt zu werden. "Die nächsten fünf Jahre liegen vor uns, lasst sie uns angehen."

Als stellvertretende Vorsitzende wählten die Delegierten die 56-jährige Ex-Landrätin Petra Köpping mit 82,8 sowie die 57-jährige Ex-Ministerin Eva-Maria Stange mit 83,3 Prozent. Generalsekretär Dirk Panter, 40, erhielt mit 78,2 Prozent sein Ticket für die neue Amtszeit.

Derweil wurde an den Delegiertentischen spekuliert über das Personal der neuen Staatsregierung. Die letzten Gerüchte sahen Martin Dulig bereits als Minister für Wirtschaft, aber auch für Soziales. Auch den Kultus soll die rote Verhandlungsdelegation beanspruchen. Spannend bleibt, ob die SPD ein drittes Ministerium erkämpfen kann. Man hätte gern die Finanzen, heißt es hinter vorgehaltener Hand, für die der Finanzfachmann Dirk Panter geeignet wäre.

Wenig scharf auf einen Kabinettsstuhl zeigen sich Eva-Maria Stange und der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung. Petra Köpping indes war bereits als Chefin der Landesdirektion im Gespräch.