Frau Klöckner, warum sind die Gespräche mit den Grünen gescheitert?
Irgendwann muss man springen und sagen, es klappt oder es klappt nicht. Nach meiner Einschätzung kamen wir nicht zusammen, weil die Grünen sehr an ihren Steuererhöhungen festgehalten haben. Als dann noch gefordert wurde, den Hartz-IV-Satz um einiges zu erhöhen, ohne deutlich zu machen, woher das Geld kommen und wie die Wettbewerbsfähigkeit des Landes erhalten bleiben soll, ging es nicht mehr richtig voran.

Aber die Bewertung des Treffens war danach doch eher kuschelig. Ist die Tür für Schwarz-Grün jetzt offener als vorher?
Es hatte schon eine neue Qualität, dass Union und Grüne so ernsthaft auf Bundesebene sondiert haben. Für die Zukunft sind die Türen offener. Beide Seiten haben ein neues Verständnis füreinander gewonnen. Ich finde auch bemerkenswert, dass die Grünen sagen, wenn es mit Schwarz-Rot nicht klappen sollte, könne man sich noch einmal zusammensetzen.

Und, kann man?
Die Türen sind zwar offen, aber sie sind auch nicht ewig geöffnet. Die Grünen trauen sich nicht wirklich - das ist doch der Punkt. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sie untereinander in einer Richtungsfindung sind. Weil sie mit ihrem Wahlergebnis deutlich unter zehn Prozent an Relevanz verloren haben.

Aber in vier Jahren ist alles möglich?
Eine Zusammenarbeit ist zumindest dann nicht mehr unmöglich. Dass man professionell miteinander reden und umgehen kann, haben wir bewiesen. Ich weiß jedoch nicht, wie in vier Jahren das Personal der Grünen und ihr Wahlprogramm aussehen werden.

Muss die Union künftig nicht anders mit den Grünen umgehen? Weniger Attacken, weniger Feindbilder?
Auch bei manchem Grünen wird das Feindbild CDU gleich Hinterwäldler gepflegt. Wir sind keine Leute, die fest zementiert sind. Trotzdem gilt: Jede Partei ist für ihre Botschaften selbst verantwortlich. Ich frage mich schon, welcher Geist mitunter bei den Grünen herrscht, wenn sie die Obermoralisten spielen, aber bei sich selbst die Handbremse anziehen. Wer so eine Angriffsfläche bietet, der weiß, wie die Reaktionen im politischen Geschäft sein können.

Sind die Grünen auch für die CSU kein Tabu mehr?
CSU und Grüne befinden sich verbal in einer Liga, wenn es darum geht, gegeneinander zu holzen. Da muss man sich keine pädagogischen Sorgen machen. Ich möchte nur daran erinnern, dass seit langer Zeit auf regionaler und lokaler Ebene schwarz-grüne Bündnisse Realität sind. Es gibt kein Tabu.

Mit Julia Klöckner

sprach Hagen Strauß