"Die erste Neugier ist befriedigt", verwies Schmidt auf "ein Naturgesetz". "Allein die qualitätvolle Arbeit absorbiert kein Interesse." Im Jahr nach Eröffnung des ersten großen Museumsneubaus nach der Wende im Osten waren rund 200 000 Besucher in das Haus geströmt. 2006 rechnet Schmidt mit nur 120 000.
In der Rekordhitze im Juli und den Großbaustellen des Citytunnels sieht Schmidt weitere Ursachen für ausbleibende Gäste an der Pleiße. "Die Baustellendichte rund um uns herum vertreibt die letzten Touristen. Einige Busunternehmer haben geplante Fahrten abgesagt." Zudem gebe es in Städten wie München mit der Pinakothek der Moderne ein anderes künstlerisches Umfeld und "Menschen mit einem dickeren Geldbeutel", sagte er. In Leipzig fehlt trotz höherer Eintrittspreise weiterhin Geld für Erwerbungen. Ärger gibt es wegen der noch bis morgen laufenden Installation "Animatograph" von Aktionskünstler Christoph Schlingensief.
In einem gruftartigen Raum werden dabei Filme projiziert, die Hitler und Stalin als Pornodarsteller und Rhesusäffchen in braunen Nazi-Uniformen zeigen. Ein Familienvater hatte Anzeige wegen gewaltverherrlichender, obszöner und pornographischer Inhalte gestellt. "Das Verfahren wurde eingestellt", sagte Schmidt, der zudem Jugendlichen unter 16 Jahren den Zutritt untersagt hat. "Die Diskussion ist aberwitzig. Auch die Alten Meister sind demnach obszön und gewaltverherrlichend: Männer und Frauen sind nackt, Blut fließt in Rinnsalen."
2007 sei eine Ausstellung zu dem in Leipzig geborenen Grafiker, Bildhauer und Zeichner Max Klinger (1857-1920) geplant. "Wir wollen deutlich machen, dass er eine wichtige Leitfigur für die Künstler in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war", erklärt Schmidt. Für größere Präsentationen seien ihm mangels Ankaufsetats häufig die Hände gebunden. "Wir können nicht einen Monat Rembrandt zeigen und im darauf folgenden Werke aus dem Museum of Modern Art (MoMA)." (dpa/ta)