Frau Klepsch, Sie teilen sich das Sozialministerium mit Petra Köpping (SPD), die für Integration zuständig ist. Zwei Ministerinnen, ein Ministerium, kann das gehen?
Wir haben uns die Aufgaben nicht aufgeteilt, sondern klar abgesteckte Politikfelder, die sich aus dem Koalitionsvertrag ergeben. Das ist auch wichtig. Es war sicher eine ungewöhnliche Entscheidung, unter dem Dach des Sozialministeriums zwei Ministerinnen zu vereinen. Aber: Es sind zwei völlig getrennte Aufgabenbereiche mit zwei Frauen, bei denen die Chemie stimmt. Wenn dann Ihre nächste Frage wäre, wie oft wir uns zum Kaffee treffen. . .

Nein, keine Kaffeefrage. Aber Frau Köpping managt die Integration, das momentan alles bestimmende Thema und erfährt damit große Aufmerksamkeit.
Daran würde ich das nicht festmachen. Frau Köpping ist für ein Thema zuständig, dass die Menschen aktuell bewegt. Und es ist gut, dass Integration in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Mein Ministerium ist in seiner Gänze hingegen viel umfangreicher. Da blicke ich nicht nur auf das Haus hier, da gehören noch vier Landeskrankenhäuser dazu, die Landesuntersuchungsanstalt und das Mess- und Eichwesen. Die Themen, die hier im Haus bearbeitet werden, reichen von medizinischer Versorgung im stationären und ambulanten Bereich bis hin zu Pflege, zum großen Thema Demografie und natürlich zum Verbraucherschutz. Wir reden von Gesundheitszielen, Gesundheitspflege, Impfen, was zurzeit in aller Munde ist.

Die Themenvielfalt ist nicht nur spannend, sondern riesengroß. Da helfen keine Schnellschüsse, sondern nur eine langfristige und zukunftsfähige Politik.

Die Zahl der Crystal-Abhängigen steigt rasant. Wo stehen wir gerade?

Die Zahlen haben sich allein von 2011 auf 2013 verdoppelt. Reichlich 4000 Klienten wurden 2013 bei den Suchtberatungsstellen registriert. Für 2015 ist davon auszugehen, dass wir nochmal Aufwuchs haben. Deshalb setzt der Haushalt für 2015 und 2016 genau dort an. Im Entwurf haben wir eine Million Euro zusätzlich eingestellt, die die kommunale Ebene einsetzen kann, um die Suchtberatungsstellen personell aufzustocken. Und es werden zusätzlich 1,3 Millionen Euro zur Verfügung stehen, um Präventionsprojekte mitzufinanzieren.

Fordern Sie mehr Engagement von Ihren Kabinettskollegen beim Thema Crystal?
Dazu hat das Kabinett im vergangenen Jahr einen Zehn-Punkteplan erarbeitet und verabschiedet. Diesen müssen wir gemeinsam mit Leben füllen. Natürlich sitzen die Kollegen genauso mit im Boot.

Trifft das auch auf die Jugendsozialarbeit zu?
Zu diesem Thema werde ich mich mit meiner Kollegin Brunhild Kurth (CDU) zusammensetzen. Wir werden Schnittpunkte ausloten und schauen, was ist Schularbeit und was Sozialarbeit. Dafür werden wir uns Projekte vor Ort ansehen und gemeinsam festlegen, wie wir die zur Verfügung stehenden Mittel zielgerichtet einsetzen können.

Da geht es auch darum, aus wessen Topf bezahlt wird.
Man muss klar den Auftrag definieren. Was zum Verantwortungsbereich Schule und Bildung gehört, wird vom Kultus bezahlt. Die Diskussion war, an jeder Schule ein Schulsozialarbeiter. Wir haben zwar 93 Projekte, die wir aus Schulsozialarbeit mitfinanzieren. Aber 93 Projekte heißt nicht: an jeder Schule ein Schulsozialarbeiter. Das muss man ganz klar so sagen. Wir müssen prüfen, an welcher Schule brauchen wir Schulsozialarbeit und was verstehen wir inhaltlich darunter.

Konflikte über die Finanzierung gab es auch beim Freiwilligen Sozialen Jahr. Wie ist der Stand?
Ich halte das Freiwillige Soziale oder ökologische Jahr als ein gutes Instrument für junge Menschen, sich auszutesten. Auf der anderen Seite ist es wichtig, junge Menschen beispielsweise an das Thema Pflege heranzuführen. Die Projekte, die angeschoben wurden, sollten weitergeführt werden.

Teilt der Finanzminister, Georg Unland, Ihre Auffassung über die Wichtigkeit des Sozialen Jahres?
Ich kann nicht für den Finanzminister antworten. Aber es ist natürlich wichtig, den Finanzminister in den Haushaltsverhandlungen von der Wichtigkeit des einen oder anderen Projekts zu überzeugen.

Mit Barbara Klepsch

sprach Christine Keilholz