Nicht erst seit dem Überfall in Potsdam, bei dem ein farbiger Deutscher ins Koma geprügelt wurde, ist ihm klar: Menschen seiner Hautfarbe sind im Osten Deutschlands nicht sicher. Vor zwei Jahren beim Stadtfest wurden er und ein Freund angepöbelt. „Sie sagten die üblichen Dinge wie ,Ihr Nigger'. Die wollten einfach nur mit uns streiten. Da sind wir lieber abgehauen“ , sagt Steve. „Sich mit denen anzulegen, bringt nichts.“
Und er hat für sich ein paar einfache Überlebensregeln aufgestellt: „In der Innenstadt ist es eigentlich okay. Aber ich würde niemals abends nach Sachsendorf gehen - schon gar nicht alleine. Ich war noch nie abends dort, aber Freunde haben mir einiges berichtet.“ Außerdem besucht Steve nicht alleine das Fußballstadion. „Ich liebe Fußball und war vor zwei Jahren mal bei Energie. Da haben sie zum Glück unentschieden gespielt, sodass beide Seiten keinen Grund zur Aggressivität hatten. Die Leute haben mich nur angeschaut.“
Auch seine deutsche Freundin Katrin (28, *) macht sich Sorgen: „Ich würde Steve niemals abends alleine durch die Stadt gehen lassen. Lieber raffe ich mich noch mal auf und hole ihn mit dem Auto ab, ehe ich ihn mit dem Bus oder der Straßenbahn fahren lasse.“
Auf lange Sicht gibt es für Steve nur eins: weg aus Cottbus, weg aus dem Osten Deutschlands. In zwei Jahren ist sein Studium beendet, dann will er zusammen mit seiner Freundin nach Großbritannien oder in die USA gehen. „Dort gibt es diese Probleme vielleicht auch, aber niemals in diesem Ausmaߓ , sagt Steve.
Und auch, wenn ihm in Cottbus noch nichts passiert ist: Er fühlt sich in dieser Stadt einfach nicht willkommen. „Ich gehöre hier nicht her, das zeigen mir solche Leute deutlich. Die Atmosphäre ist einfach recht feindselig.“
In einem anderen Land müsste er nicht mit dieser ständigen Angespanntheit durch die Stadt gehen. „Natürlich schauen die Leute hier mich an, das ist okay. Aber ich weiß nie, was sie denken. Vor allem, wenn sie in Gruppen und betrunken auf mich zukommen, wird es mir unheimlich. Ich kann niemals voraussehen, was passieren wird“ , sagt der Ghanaer und denkt dabei auch an den Überfall in Potsdam. Am sichersten fühlt sich Steve, wenn er mit hellhäutigen Freunden unterwegs ist.
Dieses ständige Aufpassenmüssen ist es, das ihn von hier vertreiben wird. Obwohl er doch einfach nur in Ruhe in Deutschland studieren wollte.
(* Namen geändert)