Zwei Studenten der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) hat es jedoch ein kleines kambodschanisches Dorf besonders angetan: Tropang Sdock besteht aus 110 Familien und liegt ungefähr 70 Kilometer südlich von Phnom Penh. Katrin de Boer und Hendrik Heinze, beide studieren Kulturwissenschaften an der Viadrina, engagieren sich dort als Volontäre der Hilfsorganisation „Sorya“ , was auf Khmer „Sonne“ bedeutet.

Liebe auf den ersten Blick
Eigentlich war Heinze nur auf einer ausgedehnten Südostasienreise und besuchte die kambodschanischen Tempelanlagen. „Dabei habe ich mich so in das Land verliebt, dass ich unbedingt wiederkommen wollte“ , erinnert er sich und muss schmunzeln über die verzwickten Wege zu einem Auslandssemester. Über einen Aushang erfuhr er von der Organisation „Sorya“ und fuhr im Sommer 2004 für fünf Monate als Freiwilliger nach Tropang Sdock, um kambodschanischen Kindern Englisch beizubringen.
Auch de Boer verschlug es eher durch Zufall nach Kambodscha. Die drei Auslandsmonate, die für das Studium Pflicht sind, wollte sie in einem Entwicklungsland verbringen. „Als ich von dem Verein erfuhr, hat mir besonders gefallen, dass es eine sehr kleine Organisation ist, wo jeder seine eigenen Fähigkeiten einbringen kann“ , sagt sie. In Tropang Sdock konnte die 25-Jährige ihre Soziologiekenntnisse für eine Umfrage unter der Dorfbevölkerung anwenden. Damit wollte die Studentin herausfinden, wo besonders Hilfe nötig ist und was die dringendsten Sorgen der Menschen dort sind.
„Kambodscha ist das drittärmste Land der Welt“ , erläutert Heinze. Oft fehle es an einfachsten Sachen wie ausreichender medizinischer Versorgung und anderen Lebensgrundlagen. 80 Prozent der Bevölkerung lebten als Reisbauern auf dem Land. Gerade dort gebe es viele Analphabeten. Fremdsprachenunterricht sei eine Seltenheit. „Der Verein versucht, hier möglichst direkt zu helfen“ , erklärt der 27-Jährige. So hätten nachfolgende Generationen die Chance auf mehr Schulbildung und dadurch später auf eine qualifizierter Arbeit.
Die Hilfsorganisation „Sorya“ wurde 2002 von dem heute in Hamburg lebenden Exil-Kambodschaner Hi-Khan Truong gegründet, der nach zwanzig Jahren erstmals wieder seine Heimat bereist hatte. Dort unterrichtete er auch Englisch in Tropang Sdock - mit durchschlagendem Erfolg: „Gleich zur ersten Unterrichtsstunde kamen 60 Kinder.“ Wieder zurück in Hamburg, rief der 29-Jährige den Verein ins Leben, um seine Arbeit von Deutschland aus fortsetzen zu können: „Ich wollte dort etwas bewegen“ , begründet Hi-Khan Truong seine Idee.
Seither ist „Sorya“ auf mehr als 90 zahlende Mitglieder angewachsen. Einige von ihnen waren bereits als freiwillige Helfer in Tropang Sdock. Inzwischen ist in dem Dorf eine Schule für den Englisch- und Deutschunterricht gebaut worden. Für besonders talentierte Schüler gibt es ein Stipendienprogramm, das ein Studium an der Universität von Phnom Penh ermöglicht.

Den Alltag erleichtern
Außerdem haben die Volontäre von „Sorya“ nach und nach Projekte entwickelt, die das Alltagsleben der Menschen von Tropang Sdock erleichtern sollen. „Unser Landmaschinen-Verleih wird sehr gut angenommen“ , sagt Hi-Khan. Auch das Projekt „Mission Muh“ kommt voran: Der Verein kauft Kühe, die an Familien im Dorf verliehen werden, bis die Tiere Nachwuchs bekommen. Die neueste Errungenschaft für das Dorf sind große, 5000 Liter fassende Regentanks, die über die den Bewohnern Trockenperiode hinweghelfen sollen.
„Die Arbeit, die der Verein leistet, kommt direkt bei den Leuten im Dorf an“ , begründet Heinze sein Engagement. Der Diplomand ist mittlerweile Vizevorsitzender von „Sorya“ . Auch das Thema seiner Abschlussarbeit hat mit seinem Engagement in Tropang Sdock zu tun. Der Student schreibt darüber, wie kambodschanische Kinder die englische Sprache erlernen.
Informationen im Internet: www.sorya.org