Herr Schröder, wie würden Sie die gegenwärtige und künftige finanzielle Situation der BTU beschreiben?

Die finanzielle Situation ist durchaus bescheiden.

Droht eine Stagnation, wenn Sie im kommenden Jahr über zwei Millionen Euro weniger bekommen?

Das könnte sein. Das liegt auch daran, dass die normalen Kosten gestiegen sind. Der Hauptposten, die Personalkosten, sind in den vergangenen Jahren durch die Besoldungserhöhung der Mitarbeiter gestiegen. Das wurde zwar durch Personalverstärkungsmittel aufgefangen, die den Gesamtetat erhöhen, aber man hat nicht mehr finanzielle Möglichkeiten. Denn das Geld bekommen ja die Mitarbeiter. Wir bekommen rund 2,4 Millionen weniger vom Land, wenn sich das weiter so darstellt, auf der anderen Seite sollen wir allerdings mehr Mittel durch den Hochschulpakt 2020 erhalten, die hauptsächlich der Bund ausreicht. Auch die kürzliche Entscheidung zum "Qualitätspakt Lehre" gehört dazu.

Wie viel wird das sein?

Das wissen wir noch nicht genau. Aber diese Hochschulpaktmittel 2020 sind zweckgebunden, die dürfen im Wesentlichen nur für die Verbesserung der Lehrleistung in Bachelorstudiengängen eingesetzt werden.

Was bedeuten die über zwei Millionen Euro weniger dann konkret für die BTU? Wo muss gespart werden?

Wir müssen hauptsächlich an den Kosten sparen, die wir von heute auf morgen reduzieren können. Und das ist nun leider der akademische Mittelbau (die wissenschaftlichen Mitarbeiter, d. Red.), weil die Mitarbeiter überwiegend mit Zeitverträgen beschäftigt werden. Das vermindert natürlich die Lehrkapazität. Wir versuchen das jetzt zwar durch den Hochschulpakt 2020 auszugleichen, aber es bleibt trotzdem ein Problem für die vom Hochschulpakt nicht erfassten Aufgaben.

In welcher Größenordnung?

Die Kopfzahl der akademischen Mitarbeiter bliebe zwar gleich, allerdings wäre die Finanzierungsgrundlage eine andere, was zu Umschichtungen innerhalb der BTU führen kann. Genauere Zahlen kann ich noch nicht nennen.

Müssten dadurch bestimmte Lehrveranstaltungen ausfallen oder zusammengelegt werden?

Soweit noch zusätzliche Kürzungen im Rahmen des "normalen" brandenburgischen Mittelverteilungsmodells hinzukommen - das wird derzeit ermittelt -, könnte es in wenigen Fällen zu "Engpässen" kommen. Das könnte bedeuten, dass mehr Studenten von weniger Mitarbeitern betreut werden oder weniger wichtige Lehrveranstaltungen ausfallen beziehungsweise verschoben werden müssen. Leiden würde auch die Forschung wegen fehlender Finanzierungs- und Kofinanzierungsmöglichkeiten, etwa bei EU-geförderten Projekten.

Ist der Mittelbau der einzige Posten, wo gespart werden muss?

Nein, aber der größte. Dann haben wir jetzt Liegenschaften abgegeben, die durch ihre Bauweise besonders energieintensiv und unwirtschaftlich waren, wie das Lehrgebäude 9, das ehemalige Haus der Armee, und das sich anschließende kleinere Lehrgebäude 8. Die Substanz war auch ziemlich marode.

Wie ist denn jetzt der Stand bei den Professorenstellen - die BTU darf ja bis Ende 2012 28 Stellen nicht ordentlich besetzen, weil sie in den Umbaupool des Landes wandern sollen . . .

Wir haben noch einmal mit dem Ministerium diskutiert und einen Abgleich gemacht, welche Stellen zwischenzeitlich besetzt wurden oder bald besetzt werden - es sind jetzt 26 Stellen, die gesperrt werden könnten. Das sind Stellen, die frei sind oder demnächst wegen altersbedingt ausscheidender Professoren frei werden. Seit 2008 mussten wir ja schon 14 Stellen abgeben und durften auch fast keine Stellen mehr endgültig besetzen, sondern nur befristet mit Vertretungs- oder Gastprofessoren.

Welche Probleme werden die Kürzungen noch nach sich ziehen?

Beispielsweise die, dass die Studenten eher nicht bei den befristeten Professoren promovieren - so sinkt die Zahl der Promotionen. Ein Problem ist auch die Unsicherheit, gerade was die Arbeit der zwei Strukturkommissionen betrifft, die die Hochschullandschaft in der Lausitz und Brandenburg untersuchen. Wir haben beispielsweise mit einem Professor von uns Bleibeverhandlungen geführt, der hatte einen Ruf an eine Universität in Sachsen-Anhalt. Er war fest entschlossen zu bleiben, aber wegen der unsicheren Situation hier war ihm Sachsen-Anhalt lieber. Der Zustand ist alles andere als erfreulich.

Sind Studiengänge bedroht?

Wenn man kein Geld und kein Personal hat, muss man seine Studiengänge einschränken. Da kann man dann auch nicht mit dem Rasenmäher drübergehen und bei jedem Studiengang etwas kappen, sondern muss gezielt Bereiche einstellen. Das erfordert dann allerdings eine Strukturdiskussion für den Fall, dass wirklich alle der 26 gesperrten Stellen wegfallen. Aber noch bin ich relativ optimistisch, dass wir nur ein paar verlieren werden.

Hat sich die BTU an der jetzigen Situation und im Wirtschaften der letzten Jahre selbst etwas vorzuwerfen?

Vorzuwerfen haben wir uns, dass wir möglicherweise zu sehr auf den Landeshochschulpakt II vertraut haben, in welchem der Ministerpräsident den Hochschulen die volle Übertragbarkeit der Rücklagen zugesichert hatte. Und dann mussten wir 3,66 Millionen Euro Rücklagen an das Land abgeben. Wir haben halt zugewiesene Haushaltsmittel nicht "auf Teufel komm raus" verbraten, ohne Rücksicht auf Vorsorge für kommende Jahre bei Finanzplanung und Kofinanzierung.

Mit Wolfgang Schröder

sprach Steffi Schubert

Das vollständige Interview lesen Sie unter www.lr-online.de/brandenburg

Prof. Heinz Nagler, Leiter des Lehrstuhls Städtebau und Entwerfen und Dekan der Fakultät Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung: "Wir haben bundesweit mit die beste Architekturausbildung, eine sehr gute Stadtplanerausbildung, auch die Bauingenieure haben in Kooperation mit der Hochschule Lausitz ein wunderbares Format gefunden mit dem David-Gilly-Institut: Wir sind innovativ aufgestellt mit Angeboten auch zum Wohl des Landes. Aber wir können aufgrund der allgemeinen Reduktion der Mittel das alles nur mit größten Mühen aufrechterhalten! Es fehlt einfach ein Konzept des Landes. Es ist für uns schlimm, dass wir die Qualität in Lehre und Forschung nicht halten können. Wir fahren seit Jahren Überlast, die Mitarbeiter arbeiten teilweise bis 180 Prozent, und das oft mit befristeten Verträgen. Das gibt kein gutes Gefühl, auch nicht für die Studenten, mit denen wir ja in Projekten eng zusammenarbeiten. Wir verbraten unseren eigenen Nachwuchs, unsere wissenschaftlichen Mitarbeiter, da sie durch die befristeten Verträge keine Perspektive haben. Ich erhoffe einiges von der Lausitz-Kommission, mit der es einen konstruktiven Dialog gab."Prof. Christoph Egbers, Leiter des Lehrstuhls für Aerodynamik und Strömungslehre: "Das Land wünscht sich in der laufenden Fachkräftemangeldiskussion Ingenieure, wir liefern sie - unsere Absolventen sind gefragt bei Rolls Royce, MTU und Airbus. Unser einzigartiger Campus wird von ausländischen Wissenschaftlern sehr geschätzt. Erfolgreiche Arbeit an Universitäten in Forschung und Lehre erfordert klare Rahmenbedingungen und Planungssicherheit durch das Land. Kürzungen sind absolut kontraproduktiv. Jeder meiner Strömungsmechanik-Kollegen aus anderen Bundesländern ist besser ausgestattet. Dabei gehört der Lehrstuhl bundesweit zu den zehn größten. Als ich vor über elf Jahren hierher kam, war das noch nicht so. Cottbus war für junge, ambitionierte Wissenschaftler attraktiv. Inzwischen haben die Landeskürzungen an der BTU zu enormem Abbau der akademischen Mitarbeiter geführt. Auch an meinem Lehrstuhl merke ich das: Ich gewinne Mitarbeiter aus Holland, Frankreich, Oxford - aber bei weiteren Kürzungen kann ich bestimmte Leistungen bei großen Forschungsprojekten wie den Geoflow-Experimenten auf der ISS nicht mehr garantieren."