ins Verhör nahmen. Vor allem aber die Aussagen von Susannes Vater Rene P. ließen die Juristen am Ende zu dem Schluss kommen, dass man die Frage nur mit einem Nein beantworten kann. Susanne starb in einem fast familiären Umfeld, niemand konnte Verdacht schöpfen, so Richter Renz.
Rene P. (41), der nach dem Geständnis von Mario L. am Montag (die RUNDSCHAU berichtete) gestern als dritter Zeuge auftrat, bezeichnete den Jugendklub als „Susis zweites Zuhause“ . Einen anderen Treffpunkt gebe es nicht in Kromlau. Deshalb würden dort auch ältere Männer wie der 36-jährige Mario L. verkehren.

Vergeblich an die Tür geklopft
Dennoch glaubte jeder Kromlauer sein Kind dort sicher, so Rene P. weiter. Man kannte alle Klubbesucher und ihre Eltern. Deshalb habe er seiner Tochter schon vor der Mordtat mehrfach erlaubt, erst nach Mitternacht nach Hause zu kommen. Jedoch seien daran Bedingungen geknüpft gewesen: „Sie durfte keinen Alkohol trinken und sie musste mich zu Hause immer anhauchen.“ Außerdem durfte Susanne die 700 Meter vom Klub nie allein nach Hause gehen. Ihr Freund musste sie begleiten.
Am 14. August 2005 klopfte Susannes Freund Matthias W. vergeblich an der Klubtür. Zu diesem Zeitpunkt, gegen ein Uhr, lag das getötete Mädchen schon 250 Meter entfernt im Kromlauer Park, versteckt unter einem Haufen Äste. Das Licht im Klub war gelöscht, die Tür verschlossen. Matthias musste glauben, dass seine Freundin nicht auf ihn gewartet hatte. Den Ablauf der Tat schilderte dem Gericht gestern ein weiterer Zeuge: Kriminalhauptkommissar Dietmar J.. Er hatte Mario L. zuerst vernommen.
Zeuge Jens K. (37) bestätigte vor Gericht, mit Mario L. noch bis kurz nach Mitternacht Bier getrunken zu haben. Außer ihnen war nur noch Susanne im Klub. Er wisse noch, dass er mit Mario L. zusammen das Haus verließ, sich am Eingang aber angetrunken auf eine Bank legen musste. Was danach passierte, wisse er nicht mehr. Als er zwei Tage später erfuhr, dass Mario L. Susanne getötet haben soll, sei er aus allen Wolken gefallen: „Ich war total überrascht. Mario interessierte sich nie für Mädchen.“

Über rote Striemen gewundert
Ähnlich die Reaktion bei Thomas K. (21), damals Chef des Jugendklubs. Er selbst war in der Nacht vom 13. auf den 14. August nicht im Jugendklub gewesen, hatte den mutmaßlichen Mörder Susannes aber noch am Sonntagvormittag auf dem Sportplatz angetroffen - nur wenige Stunden nach der Tat. „Da wunderte ich mich noch über seine roten Striemen am Hals.“ Dass sich Mario L. diese roten Stellen bei dem Versuch zugezogen hatte, sich nach dem Tod seines Opfers auch selbst zu erwürgen - daran habe er natürlich nicht denken können. Thomas war mit Mario L. befreundet, beeindruckt von dessen Allgemeinbildung. „Die Natur war sein Lieblingsthema.“
Der Kromlauer räumt gegenüber Richter Renz ein, dass im Jugendklub auch Minderjährige feierten und Bier tranken. Selbst Schnaps gab es manchmal, wenn nach einer Erwachsenen-Party noch ein paar Flaschen übergeblieben waren. Susanne stand öfter hinter dem Tresen, schenkte aus. Thomas K.: „Unsere Eltern wussten immer, was im Jugendklub passiert. Sie vertrauten uns.“