Mehr als einen Monat war die Familie unterwegs. Vom Hindukusch bis nach Eisenhüttenstadt. Nun leben die 17-jährige Mariam Latifi und ihre Angehörigen in einem Containerbau in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Brandenburg.

Ein Tisch, zwei Betten, einige abgenutzte Stühle stehen in ihrem Zimmer. "Der erste Tag hier war hart", sagt Mariam Latifi. "Aber ab dem zweiten Tag wurde es besser." Mittlerweile habe sie Freunde gefunden und hofft, bald in Deutschland zur Schule gehen zu können. Und die Unterbringung? "Wir sind hier ja nur kurze Zeit - da geht das dann schon mal."

Während Mariam Latifi spricht, stehen vor dem Nebenzimmer Fernsehkameras. Dorthin nämlich haben sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zurückgezogen, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit einer syrischen Flüchtlingsfamilie zu sprechen.

Gemeinsam besuchen die Politiker am Donnerstag die Erstaufnahmeeinrichtung und den Abschiebegewahrsam - vor allem de Maizière will sich genau über die Situation in Eisenhüttenstadt informieren. Wie ein Professor in der Abschlussprüfung stellt der Minister seine Fragen. Wenn Woidke oder der Leiter der Einrichtung, Frank Nürnberger, zu längeren Antworten ausholen wollen, stellt de Maizière sofort eine neue Frage dazwischen. Zum Beispiel, als es um die Zelte geht, die auf dem Gelände mittlerweile aufgestellt sind. "Wo kommen die Zelte her?", will de Maizière wissen. "Aus Rotterdam, wir haben. . .", weiter kommt Nürnberger nicht. "Wie viele sind winterfest?" fragt de Maizère. "Wir hoffen, dass wir bis zum Jahresende insgesamt 4000 winterfeste Plätze haben."

In die Zelte gucken die Politiker indes nur kurz hinein. Beim Gang ins Abschiebegefängnis achten die offiziellen Vertreter darauf, dass keine Kameras dabei sind. Ohnehin ist dort derzeit nur ein einziger Gefangener untergebracht. Doch de Maizière spricht sich in Eisenhüttenstadt nachdrücklich dafür aus, vor allem abgelehnte Asylbewerber aus den Ländern des westlichen Balkans schnell wieder in ihre Heimat zurückzuführen.

Es sei "inakzeptabel und blamabel für Europa", dass fast 40 Prozent der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, aus diesen Ländern kommen. "Diejenigen, die kein Schutzbedürfnis haben, sollten ein schnelles, aber faires Verfahren erhalten - und dann aber auch schnell das Land wieder verlassen." Wenn die Grünen im Bundesrat zustimmen, wolle er zügig ein Gesetz einbringen, das die Zahl der sicheren Herkunftsländer deutlich ausweite.

Dietmar Woidke dagegen fordert den Minister auf, sich an den in den Kommunen anfallenden Kosten für die Asylbewerber zu beteiligen. "Wir warten dringend auf strukturelle Vorschläge zur Beteiligung des Bundes", sagt der Ministerpräsident, der derzeit auch den Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz der Länder innehat. Einer Meinung sind die Politiker zu den Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte, die immer mehr werden. Dies sei "unverständlich, unakzeptabel und unseres Landes unwürdig." Dagegen wolle die Bundesregierung "mit aller Härte des Gesetzes vorgehen."

Die Flüchtlinge bekamen von alledem nicht viel mit. "Life is good", sagt der junge Albaner Flori Neze, "das Leben ist gut", als der Tross mit Woidke und de Maizière an seiner Tür vorbeikommt. Seit einer Woche lebt er in Eisenhüttenstadt. Wie viele andere Menschen aus seinem Heimatland hofft er darauf, in Deutschland Asyl zu erhalten. Dass die Kameras in der Erstaufnahmeeinrichtung noch vor wenigen Minuten Statements einfingen, in denen es darum ging, dass Menschen wie er das Land so schnell wie möglich wieder verlassen sollten, ahnt er nicht einmal.