Herr Jorga, Tierschützer aus ganz Deutschland schauen nach Hoyerswerda. Der Zoo soll Raub- und exotische Tiere an unseriöse Händler abgegeben haben, ohne sich weiter um ihr Schicksal gekümmert zu haben. Bärennachwuchs gar soll vor Ort geschlachtet worden sein.
Die Zootiere liegen uns am Herzen. Unsere Tierpfleger haben sie alle mindestens ein halbes bis ein dreiviertel Jahr aufgepäppelt. Da geben wir sie doch an keinen unseriösen Händler. In Tierbestandsbüchern und -karteien ist nachzulesen, wohin sie gegangen sind. Aus Personenschutzgründen darf ich keine Angaben machen. Aber jeder Abnehmer hatte eine Tierhaltungsgenehmigung. Das hat das Veterinäramt geprüft. Dass wir Bärenjunge geschlachtet haben sollen, ist eine absolute Verleumdung des selbst ernannten Tierrechtlers Frank Albrecht (Frank Albrecht war bis 1999 Mitglied der PDS-Fraktion in Hoyerswerda und hatte wiederholt die Tierhaltung und die Abgabe von Jungtieren an Tierhändler kritisiert. Heute lebt er im baden-württembergischen Nürtingen, Anm.d.Red. ).



Aber wohin sind die Tiere dann gegangen„ Die sechs Tigerjungen, die Sie Tierhändler Werner B. 1992 und 1993 gegeben haben. Er wurde in den Fernsehbeiträgen erwähnt.

Herr B. hat uns leider nicht darüber informiert, wohin die Tiere weiter gegangen sind. Aber wir haben sie ihm korrekt übergeben. In Tiertauschverträgen sind alle Tiere drin: Leoparden, Grizzlybären, die sechs Tigerjungen und so weiter. Wenn ich die Haltergenehmigung vom Kreisveterinär ordentlich habe überprüfen lassen, kann mir rechtlich kein Mensch etwas wollen. Ich könnte Tiere sogar an Privatpersonen mit Haltergenehmigung abgeben. Wir haben zig Anfragen von Leuten, die Affen oder Lamas haben wollen. Aber die geben wir nur an sie raus, wenn mir der Kreisveterinär sagt: Jawohl, die haben Erfahrung damit, die machen das fachgerecht und halten die Tiere artgemäß.

Warum sind Sie überhaupt auf einen Tierhändler zugegangen? Das ist ja auch das, was Tierschützer ethisch verwerflich finden. Konnte kein regulärer Zoo ihre Tiere aufnehmen?
In der Regel bieten wir unsere Tiere Zoos an, deren Leiter im Verband deutscher Zoodirektoren sind. Aber wir hatten eine Menge Jungtiere. Die waren schwer unterzubringen. Wenn kein Tierpark sie aufnehmen kann, sind wir auf die Tierhändler angewiesen. Herr B. wurde mir empfohlen von verschiedenen Fachleuten im Zoo Berlin, die heute noch gute Verbindungen zu ihm haben.

Ihr Kritiker Frank Albrecht sagt: Ein Blick in diverse Zuchtbücher hätte gereicht, um zu wissen, dass Tiger und Zwergflusspferde bei Herrn B. unbekannt verschwinden. Zudem habe Werner B. Kontakte zu einem belgischen Zootierschlachter gehabt.
Das sind Vermutungen, ja Verleumdungen. Herr B. wird sich hüten, an einen Schlächter zu verkaufen. Damit würde er sein Geschäft ruinieren. Mittlerweile haben wir aber die Beziehung zu ihm abgebrochen.

Warum?
Wir hatten persönliche Differenzen. Aber das hat nichts mit den Tieren zu tun, die er von uns bekommen hat.

Was sagen Sie zu dem bösen Verdacht, dass Tiger aus Hoyerswerda über einen Großtierhändler zum Schlächter nach China gegangen sind, wo pro Kilo Tigerfleisch bis zu 10 000 Euro gezahlt wird?
Der böse Verdacht ist unbegründet. Dann wäre Hoyerswerda beim Bundesamt für Naturschutz gelistet. Zu den Zoos mit Exportgenehmigung für China zählen aber nur einige Zoos, Hoyerswerda ist nicht dabei. Es sind nie Tiger von Hoyerswerda nach China gegangen. Dass überhaupt Tiger aus Deutschland in China geschlachtet worden sind, ist nur eine sehr vage Vermutung.

Zuchtbüchern und Zooführern ist zu entnehmen, dass der Zoo Hoyerswerda seit Jahren Raub- und exotische Tiere nach ganz Europa ausführt, bis nach Spanien und Italien. Gibt es derzeit ein Überangebot an Zootieren auf dem Markt?
Die Situation ist ganz schlimm im Moment. Tierhändler kriegen männlichen Affennachwuchs kaum mehr los, nur noch in Spanien. In bayerischen und schweizerischen Zoos werden überzählige Jungtiere getötet und meist gleich an die eigenen Fleisch fressenden Tiere verfüttert.

Heißt das aber nicht, dass deutsche Zoos zu viele Tiere produzieren, wie der Deutsche Tierschutzbund sagt?
Von produzieren zu sprechen, ist Quatsch. Es ist das Schönste, Tiere zur Zucht zu bringen. Wenn sie sich fortpflanzen, fühlen sie sich wohl. Die Vermehrung der Tiere ist immer ein Gradmesser für die gute Tierhaltung. Daneben sind wir in Hoyerswerda natürlich interessiert an Jungtieren. Die locken Besucher.
Aber wir wissen auch: Wenn wir soundsoviele Jungtiere haben, müssen wir uns was einfallen lassen, damit wir nicht an Grenzen stoßen. Entweder wir geben den Tieren die Pille oder wir lassen Männchen und Weibchen nicht mehr zusammen kommen, damit sie Nachwuchs zeugen. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, mit anderen Zoos in Kontakt zu treten. Wenn wir aber sehen, wir finden keine Abnehmer, müssen wir die Züchtung einstellen. Bei den Bären beispielsweise haben wir das 1996 gemacht. Wir haben nur noch ein Muttertier mit zwei Jungen, die sich nicht mehr vermehren können.

Ist die Zucht für einen Zoo nicht auch ein Geschäft“ Sie geben die Tiere doch nicht umsonst raus.
Mit Zootieren können Sie keine Geschäfte machen. Tiere werden innerhalb der Zoos getauscht. Geld gibt’s gar nicht, auch nicht von den Tierhändlern. In den Tiertauschverträgen wird jedem Tier zum Beispiel aus unserem Zoo eine Geldsumme beigemessen. In der Summe ergibt sich ein Guthaben. Das bekommen wir später vom Tierhändler durch Tiere aus anderen Zoos erstattet, die wir für unsere Zucht gut gebrauchen können. So kommt frisches Blut gegen die Inzucht in den Zoo.

Sehen Sie aufgrund der Kritik den Zoo in seiner Existenz gefährdet?
Nein. Wir sind als Sorben-Zoo bekannt mit zweisprachiger Ausschilderung. International ist Hoyerswerda als Fischotterzucht- und -forschungsstätte anerkannt. Wir können 1047 Tiere in 151 Formen präsentieren – das ist unser Bestand. Und der kommt gut an. Das zeigt mir eine konstante Besucherzahl von rund 115 000 Besuchern jedes Jahr – bei einer sinkenden Einwohnerzahl in der Stadt. Wir sind doch mit Tierliebe in den Beruf reingegangen und angetreten, das Leben zu erhalten, nicht zu schlachten.