Ich schüttle, drehe und biege den Schlauch. Es flackert. Ein letztes Aufleuchten. Und dann passiert nichts mehr. Der Lichtschlauch, der das Bühnenpodest mit einem warmweißen Licht umrahmen soll, gibt den Geist auf. Es muss schnell ein neuer her. Ich könnte die Technikabteilung anrufen. Es gibt nur ein Problem: Ich bin die Technikabteilung. Wir wollten eigentlich schon vor einer Stunde mit der Probe beginnen. Wann soll ich auftreten, fragt Pauline. Von vorne, von hinten oder von der Seite: "Von wo soll ich auftreten", fragt Claudia. Können wir jetzt endlich anfangen. Es fehlen noch Daniel und Eva? Rauchen. Noch sechs Tage bis zur Premiere.

"Die Lichteinstellung in dieser Szene haut überhaupt nicht hin. Dein Gesicht ist nicht richtig ausgeleuchtet", sagt Sybille. Da muss noch ein Scheinwerfer dazu. Rauf auf die Leiter. Schrauben, drehen, stecken. Das zusätzliche Licht hängt. Ausrichten. Weiter links, weiter rechts. "Eva du darfst nicht zu weit drüben stehen, sonst bist du nicht mehr zu sehen." Nochmal ruckeln. Drehen. Jetzt passt es. Mehr Licht für die Bassistin, mehr Licht für mein Gesicht. Mein Nacken tut weh. Mario verspielt sich beim Duett. Nochmal von vorn. Ich stoße mit Ingrid zusammen. Claudia stößt mich von der Bühne. Soll so sein.

"Ich hatte die ganze Zeit den Eindruck, ihr habt Angst das Publikum zu stören", sagt Matthias nach der Probe. "Spielt das Publikum mehr an", lautet sein Rat. Er ist der künstlerische Leiter der Bühne acht. Er muss es wissen. Daniel und Eva rauchen. Noch fünf Tage bis zur Premiere.

Schnell umziehen für die nächste Szene. Kleid aus, Schlafanzug an. Schnell ans Lichtpult. Zugucken, wie es läuft. Warum macht das eigentlich nicht der Regisseur? Ach ja, ich bin der Regisseur. Ich hätte vielleicht lieber mitspielen sollen. Ach ja, ich spiele mit. Irre Schnapsidee.

"Du solltest das Lied besser ohne Headset machen. Der Sound ist nicht gut. Oder ganz ohne Mikrofon", schlägt Henning nach der Probe vor. Zudem sollten wir an den Übergängen zwischen den Szenen arbeiten. An einigen Stellen ist das Licht noch zu dunkel. Und welche Funktion erfüllt Eva eigentlich in der ersten Werther-Szene? Wir müssen die Zugabe noch proben. Daniel und Eva? Rauchen. Noch vier Tage bis zur Premiere.

Das Feuerzeug fehlt, die Fotos liegen nicht da, und wo zum Henker ist die Fernbedienung? Nur die Hälfte der Requisiten ist dort, wo sie sein sollte. Ich muss wohl ein ernstes Wörtchen mit der Requisiteurin reden. Ich fasse mir an die eigene Nase. Ich bin die Requisiteurin. Zumindest für meine Szenen. Jeder muss seine Utensilien zusammenhalten.

Endlich sind das Video und die Diaschau von Dr. Love für die Zwischeneinspielungen fertig. Die erste Probe mit Film. Die Technik streikt. Das Video ruckelt. Die Boxen brummen. Daniel vergisst, das Mikrofon anzuschalten. Mario verspielt sich. Ingrid versingt sich. Ich bin heiser. "Wenn ihr hinter dem Vorhang seid, müsst ihr leise sein. Es kann nicht sein, dass ihr rumlauft, euch unterhaltet", mahnt Claudia. Daniel? Eva? Rauchen. Noch drei Tage bis zur Premiere.

Die Musiker sollten nicht ständig auf- und abgehen, das ist an vielen Stellen überflüssig. Wenn ihr auftretet, ist das Licht aus dem Backstagebereich zu hell. Der erste Teil erschließt sich mir inhaltlich nicht, da fehlt der Flow. Claudia fehlt in einer Szene Licht. Ihr müsst mehr Pointen setzen. Der Ton der Videos sollte überarbeitet werden. Ihr habt alle noch Luft nach oben. Und Karoline hat zu sehr abgelesen. Die Kritik nach der Generalprobe nimmt kein Ende. Ich denke an Köche und an Brei. Ich streiche zwei Videos aus dem Programm, eine Szene fliegt raus. Ich darf das. Ich bin die Regisseurin. Wir müssen noch meinen Auftritt ohne Mikrofon proben. Daniel! Eva! Schon wieder rauchen. Zwei Tage bis zur Premiere.

Ein Stückchen nach links, etwas nach rechts. Doch noch ein bisschen nach vorn. "Wer hier hinten sitzt, sieht nicht viel", sagt Claudia. Dann doch das Podest. Zwei Stuhlreihen. Jetzt müsste es passen. 45 Karten sind vorreserviert. Ausverkauft. Rien ne va plus, nichts geht mehr.

Kehren, wischen, Stühle entstauben, Kerzenhalter aufstellen, Lichterketten aufhängen, Getränke nachfüllen, das Büfett vorbereiten. Daniel und Eva? Putzen. Ein Tag bis zur Premiere.

Zum Thema:
1996 ist die Cottbuser Bühne acht auf Initiative des Studentenwerkes Frankfurt (Oder) gegründet worden. Betrieben wird die Spielstätte heute vom Bühne acht e.V. und gefördert vom Studentenwerk Frankfurt (Oder). Begonnen hat alles im Keller des Studentenwohnheimes 8 in der Jamlitzer Straße. 2006 erfolgte der Umzug in den Uni-Zwischenbau V in der Erich-Weinert-Straße 2. Straßentheater, Improvisationstheater, Kabarett, Film: In der Bühne acht prägen verschiedene Sparten den Spielplan und das kulturelle Angebot. Jedes Jahr im Wintersemester wird ein Theater- und ein Improvisationskurs angeboten. www.buehne8.de