Frau Roth, ist der Tod des deutschen Aufbauhelfers in Afghanistan ein Argument gegen den Tornado-Einsatz der Bundeswehr„
Es ist ein ganz schrecklicher Tod, den ich sehr bedauere. Er ist in meinen Augen kein Argument für oder gegen einen Einsatz. Es wäre ein Missbrauch, beide Themen zu vermischen. Ich weiß, mit wie viel Engagement, Herz und Leidenschaft die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen vor Ort arbeiten und welche wertvolle Arbeit sie leisten.

Wird der tragische Zwischenfall Folgen für das weitere, zivile Engagement Deutschlands am Hindukusch haben“
Es wäre völlig falsch, aus dem Tod des Aufbauhelfers einen Abzug der Hilfsorganisationen abzuleiten. Afghanistan braucht deutlich mehr an zivilem und politischem Wiederaufbau. Bei den Tornados kann die Bundesregierung sehr schnell 70 Millionen Euro mobilisieren, für den zivilen Wiederaufbau sind es gerade mal 20 Millionen Euro. Das ist viel zu wenig. Und die Europäische Union reduziert auch noch ihre Mittel. Das ist der falsche Weg.

Sie haben gegen den Einsatz gestimmt. Warum„
Afghanistan braucht einen umfassenden militärischen Strategiewechsel und eine deutliche Verstärkung des zivilen Wiederaufbaus. Das kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Das Mandat der Bundesregierung ist zudem absolut geschönt. Es gibt keine ausreichende Antwort auf die militärische Funktion der Tornados und sagt auch nichts über den Einfluss, den die Regierung überhaupt auf die Einsätze hat.

Aber Sie wenden sich nicht gegen den Militäreinsatz als solches“
Nein. Ich bin für die militärische Absicherung des Wiederaufbaus. Was hingegen derzeit im Süden Afghanistans passiert, schafft keine Akzeptanz bei den Menschen, sondern schürt eine feindliche Haltung. Die Gefahr besteht, dass Deutschland in immer stärkere und schärfere Kriegshandlungen hineingezogen wird.

Aus ihrer Fraktion gab es aber auch Ja-Stimmen. Warum haben die Grünen als klassische Friedenspartei keine einheitliche Linie gefunden?
Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Ich würde keinem, der anders gestimmt hat, unterstellen, er sei kein Teil dieser klassischen Friedenspartei. Wir haben eine gemeinsame Einschätzung über die schwierige Lage in Afghanistan, die eint uns. Und niemand bei uns verfolgt eine Ausstiegsstrategie. Aber wir kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen: ob es den Strategiewechsel hin zu einem nachhaltigen und wirkungsvollen Wiederaufbau gibt und ob die Tornados dabei helfen können.

Mit CLAUDIA ROTH
sprach Hagen Strauß