Herr Klusen, bei früheren Gesundheitsreformen gehörten die Kassen eher zu den Verbündeten der Regierung. Was bringt sie diesmal so auf die Palme?
Die meisten Kassen wollen mehr Wettbewerb und nicht weniger. Wenn aber künftig der Staat die Beiträge festlegt, dann leidet der Wettbewerb, und von einer Kasse als Unternehmen kann auch nicht mehr die Rede sein. Ihre Finanzautonomie brauchen die Kassen nicht aus ab-strakten Machtgründen. Vielmehr dient sie der Gestaltungsfreiheit im Interesse der Versicherten. Mit den Reformplänen droht uns der Einstieg in die Staatsmedizin und damit in eine Mangelversorgung wie in Großbritannien und Schweden.

Liegt der Widerstand nicht auch am drohenden Verlust persönlicher Privilegien?
Sicher sind bei den Verbänden auch spezielle Interessen im Spiel. Deshalb müssen ihre Argumente aber nicht falsch sein. Wenn man Verbänden und Kassen vorwirft, es gehe ihnen nur um teure Dienstwagen und schicke Büros, dann lenkt das auch von den Defiziten der Reform ab.

Seit 1995 stiegen die Verwaltungsausgaben der Kassen um zwei auf acht Milliarden Euro. Das sind 162 Euro pro Mitglied. Ist das wirklich gerechtfertigt?
Ich kann nur für meine Kasse sprechen. Da liegen die Pro-Kopf-Ausgaben bei etwa 103 Euro. Wir haben immer Verwaltungskosten eingespart, ohne Abstriche bei der Betreuungsqualität unserer Mitglieder zu machen. Bei manchen Kassen gibt es da sicher noch Reserven.

Mit Norbert Klusen
sprach Stefan Vetter