"Das Kreiswehrersatzamt Cottbus meldet sich zum 30. November 2012 ab." Mit diesen Worten beendete der Präsident der Wehrbereichsverwaltung Ost, Gerd-Albrecht Engelmann, am Mittwoch die 22-jährige Ära des Amtes in Cottbus. Bei einem festlichen Akt im Probenraum des Staatstheaters verwies er darauf, dass Cottbus fünf Reformen der Bundeswehr seit der deutschen Einheit überstanden hatte. Im Jahre 2003, bei der Reduzierung der Ämter in den neuen Bundesländern von 18 auf sechs, setzte sich die Lausitzmetropole durch.

Doch die Neuausrichtung der Bundeswehr, der Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) den Stationierungsbeschluss vom 26. Oktober 2011 folgen ließ, brachte für den Standort Cottbus das Aus. Seither löste sich das Kreiswehrersatzamt im Konversionsgelände der ehemaligen von Alvensleben-Kaserne unweit des Staatstheaters quasi von selbst auf. Heute sind hier noch 17 Mitarbeiter beschäftigt. Alle anderen haben bereits Altersübergangsregelungen angenommen, sind versetzt worden oder haben angebotene Chancen bei den Hauptzollämtern in Frankfurt (Oder) und Dresden genutzt. Damit seien oft weite Wege verbunden, das Team gebe es nicht mehr, "doch der Wandel ist absehbar gewesen", erklärte Oberstleutnant Peter Franke. Der stellvertretende Kommandeur des Landeskommandos Brandenburg bezeichnete die Bundeswehr "als eine Armee der Umstrukturierung" und betonte: "Wandel gehört zum Geschäft".

Erst recht mit der Abschaffung der Wehrpflicht, womit sich in der Bundeswehr laut Engelmann ab 1. Dezember"fundamentale Veränderungen vollziehen". Haben die Kreiswehrersatzämter bisher den Verfassungsauftrag erfüllt, den Personalbedarf der Streitkräfte mit wehrpflichtigen jungen Männern zu decken, so gehe es jetzt darum, Freiwillige zu werben. Deshalb hat die Bundeswehr die militärische und zivile Personalgewinnung zusammengeführt. Sie wird in 16 Karriere-Centern der Bundesländer gebündelt, von denen nur acht einen ärztlichen und psychologischen Dienst haben werden. Zudem entstehen in den Regionen Karriere-Beratungsbüros - so auch in Cottbus.

Regierungsdirektor Rüdiger Lorenz, der bisherige Leiter des Kreiswehrersatzamtes, dämpft jedoch Erwartungen. In Cottbus würden allenfalls noch sieben Berater benötigt. Ansonsten sind für die Freiwilligen-Werbung die Center verantwortlich. Das Potsdamer, ohne medizinischen Dienst, wird Lorenz leiten, "aber ich bleibe in Cottbus wohnen", betont er. Für die Cottbuser Liegenschaft sieht nicht nur Lorenz eine gute Chance, dass sich das Hauptzollamt hier niederlassen könnte.

Im Kreiswehrersatzamt Cottbus sind seit 1990 rund 110 000 Musterungen vorgenommen und rund 37 000 Wehrpflichtige zur Bundeswehr einberufen worden.