Seit zehn Jahren kümmert sich das christliche Kinder- und Jugendwerk "Arche" um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche im Berliner Stadtteil Hellersdorf. Angeboten werden Hausaufgabenbetreuung und Theaterkurse, Tanzworkshops, Kindergottesdienste, Bibelstunden und Ferienfahrten.

Morgen zehnter Geburtstag
Und weil in der ehemaligen Schule inmitten einer Plattenbausiedlung im Jahr 2001 Deutschlands erste Suppenküche für Kinder eröffnet wurde, sind die Arche und ihr Gründer Bernd Siggelkow auch über die Grenzen der Bundeshauptstadt hinaus bekannt geworden.
Morgen begeht die "Arche" ihr zehnjähriges Bestehen. Journalisten, Fotografen und Kamerateams haben sich in der Einrichtung schon oft die Klinke in die Hand gegeben. Siggelkow weiß, wie wichtig Öffentlichkeit ist - schließlich finanziert sich das Projekt zu 95 Prozent aus Spenden. Doch wenn jemand einem seiner Schützlinge ein Mikrofon unter die Nase hält und fragt: "Warum bist du arm?", dann wird es auch dem stets lächelnden Vater von sechs eigenen Kindern schon mal zu viel.
"Meine Mama sagt, wir sind doch nicht arm", erklärt die zwölfjährige Lore, die eigentlich gar nicht hier sein dürfte, weil die Mutter es ihr verboten hat. "Wir sind arm, aber wir haben uns", hat der achtjährige Florian neulich zu seiner Mutter gesagt und die arbeitslose, allein Erziehende zu Tränen gerührt. "Er weiß, dass es uns nicht so gut geht", sagt Andrea T., während sie ihre Käse-Lauch-Suppe löffelt. "Aber wir versuchen halt, das Beste aus unserer Situation zu machen." Die Statistiker haben die Armut in Hellersdorf in Zahlen gepackt: Jede dritte Mutter ist allein erziehend, jeder fünfte Bewohner ist arbeitslos. 16 000 Sozialhilfeempfänger und rund 50 000 Minderjährige leben in dem Viertel am Rande Berlins - bis zu 300 von ihnen kommen jeden Tag in die Arche.
Pastor Siggelkow kennt die Geschichten, die hinter den Zahlen stehen. "Spätestens nach 14 Tagen haben uns die meisten erzählt, was los ist." Es geht um ein zu enges Zuhause, einen prügelnden Vater oder eine ungewollte Schwangerschaft. Um geplatzte Träume, verpasste Chancen oder fehlendes Vertrauen. Und oft um eine warme Mahlzeit.
Hunger hat nicht nur etwas mit einem leeren Magen zu tun, meint Siggelkow. Genauso sehr wie ein warmes Essen brauchen die Kinder Zuwendung und jemanden, der ihnen zuhört und sie ernst nimmt. "Das größte Problem ist die zeitliche Armut", sagt der 41-Jährige und hebt den kleinen Dominik hoch, der sich schon die ganze Zeit an seine Beine klammert. "Viele Kinder haben noch niemals auf dem Schoß eines Erwachsenen gesessen."

60 Mitarbeiter kümmern sich
"Seit mein Hase tot ist, hab ich niemanden mehr zum Knuddeln", erzählt Cindy. "Hier ist immer jemand da." Mehr als 60 Mitarbeiter kümmern sich um die Kinder - die meisten ehrenamtlich oder als Ein-Euro-Jobber. Cindys Freundin Lore will auf keinen Fall fotografiert werden. "Sonst sieht mein Opa mich in der Zeitung und sagt es meiner Mutter." Auf das öffentliche Interesse an ihrem Schicksal können die Kinder von Hellersdorf gut verzichten. Auf die „Arche“ nicht.