Es sind vor allem die massiven Gesichtsverletzungen, die Marcel K. (Name geändert) nach Einschätzung der Gerichtsmedizinerin in akute Lebensgefahr brachten. "Luftembolie, Bluteinatmung, Infektionen", zählt die Sachverständige vor der Schwurgerichtskammer des Cottbuser Landgerichtes am Montag auf, was zumTod des Opfers hätte führen können.

Drei Schläge mit einer Eisenstange, einen auf den Hinterkopf und zwei ins Gesicht, hatte der 24-jährige Strafgefangene im August 2015 im Sportkeller des Hafthauses drei der Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen abbekommen. Abu Al-Aalam A., ein Flüchtling aus dem Tschad, ist deshalb wegen versuchten Mordes angeklagt.

Die Schläge mit der Hantelstange gibt er zu, jedoch nicht die ihm von der Anklage unterstellte Tötungsabsicht. Er rechtfertigt sich damit, dass er wochenlang von dem Niedergeschlagenen rassistisch beleidigt worden sei, auch an diesem Tag im Sportkeller. Mit wie viel Kraft er die Eisenstange auf den sitzenden Mithäftling niedergehen ließ, konnte auch die Rechtsmedizinerin nicht mit Sicherheit sagen. Es müsse aber "mit erheblicher Kraft" geschehen sein.

Die linke Gesichtshälfte des Opfers wies mehrere Knochenbrüche auf: Augenhöhle, Jochbein und Oberkiefer mussten operativ wieder zusammengefügt werden. Dass es neben einer langen tiefen Platzwunde und einem Bluterguss auf dem Kopf nicht zu massiven Hirnschäden kam, sei Glück gewesen, so die Gutachterin. Das habe jemand, der so zuschlägt nicht mehr in der Hand: "Das hätte auch ganz anders ausgehen können."

Vor der Gerichtsmedizinerin waren zwei Bedienstete der JVA als Zeugen vernommen worden. Beide konnten wie auch bereits vernommene Gefangene nicht bestätigen, dass Abu Al-Aalam A. wiederholt rassistischen Beleidigungen ausgesetzt war. Beide räumten ein, dass es im Gefängnis schon zu rassistischen Bemerkungen kommen könne und Jugendliche gern eine "Opposition" gegen ausländische Häftlinge bildeten. Doch von einer Drangsalierung des Angeklagten hatten sie nichts bemerkt.

Einer der Bediensteten schilderte anschaulich, wie für Abu Al-Aalam A. schrittweise Sicherungsmaßnahmen aufgehoben wurden, mit denen er aus der Untersuchungshaft gekommen war. Er verbüßte in Cottbus eine Haftstrafe wegen eines Gewaltdeliktes.

Wegen der Lockerung der Sicherungsmaßnahmen und um ihn in den Anstaltsalltag zu integrieren, seien regelmäßig mithilfe eines Dolmetschers Gespräche mit A. geführt worden, berichtete der eine Bedienstete. "Dabei hat er nie etwas von rassistischen Beleidigungen gesagt", versicherte der Zeuge.

Die Aussagen der JVA-Mitarbeiter machten auch deutlich, dass beim Kraftsport für Gefangene durchaus Sicherheitsfragen eine wichtige Rolle spielten. Danach durften nur ausgewählte Gefangene zu einem Training bei dem auch Einzelhanteln verwendet wurden und das unter Aufsicht stattfand.

Zum "Kellertraining", bei dem A. die ihm vorgeworfene Tat beging, waren die Häftlinge allein, im Raum jedoch nur kompakte Trainingsgeräte. Ausnahmen nur eine gerade und eine gewinkelte Zugstange, die mit Karabinerhaken befestigt waren und gelöst werden konnten. Mit der geraden Stange hatte A. zugeschlagen. Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.