Um diesem Traum vom Erfolg greifbare Spuren abzuringen, hat sie sich einen, so muss man sagen, Traum erfüllt. Einen Planwagen, groß genug für sie, ihren Mann Peter Bienstman, 42, und die drei Kinder Simon, Marike und Johannes. „Und wenn Besuch da ist, passt auch noch eine zweite Familie mit rein. Dann packen wir Picknick ein, spannen die Pferde an und fahren raus in diese wunderbare Landschaft.“ Alles an Goedele Matthyssen strahlt, wenn sie schwärmt von ihrem so gelungenen Leben. „Es ist ja alles so geworden, wie wir es uns gewünscht, eben erträumt hatten, damals, als wir aus Afrika gekommen sind.“
Sie und ihr Mann hatten als Entwicklungshelfer in Nigeria gearbeitet und sich 1991 in Hornow niedergelassen. „Das war Europa. Zu Hause. Aber eben doch spannend, neu. Und es bot die Möglichkeit, Arbeit, Familie und die Liebe zu Pferden miteinander zu verbinden.“

Start in der LPG-Küche
Denn die Belgier hatten sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Nach einer Chocolatier-Ausbildung in Antwerpen wollte Goedele in der Lausitz feinste Pralinen herstellen, ihr Mann sollte die entsprechend genusssüchtigen Konsumenten finden. „Aber unser Anfang hier war ziemlich afrikanisch“ , erinnert sich die gelernte Krankenschwester. „Meine Geschwister haben immer wieder gesagt, ich soll doch endlich aufgeben und nach Belgien zurückkommen.“
Heute, in dem großzügigen Fabrikladen mit angeschlossener Schauwerkstatt erinnert nichts mehr an die bitteren Anfänge. „Weil wir unser Traumgebäude nicht bekommen haben, mieteten wir von der Treuhand eine frühere LPG-Küche. Gleich nebenan wohnten wir - eng, ohne Bad, ärmlich.“ Simon, der erste Sohn, wurde mitten in diese Gründungsphase hi nein geboren - „manchmal wundere ich mich, dass ich damals nicht durchgedreht bin bei all dem Stress. Aber wir waren es gewohnt, uns durch saure Äpfel durchzubeißen.“
Die Schokoladenmeisterin mit dem charmanten belgischen Akzent, die selbst sagt, dass sie zeitlebens ein Moppelchen war, wurde schlank. Trotz ihres süßen Berufes, trotz der zwei Kinder, die noch geboren wurden, trotz der Beinahe-Pleite Mitte der 90er-Jahre. „Damals musste ich auch lernen, Leute zu entlassen“ , sagt sie. „Die Banken hätten uns sonst die Kredite gekündigt.“ Bei einer Frau, seit der ersten Stunde im Team, sei ihr das besonders schwergefallen. „Doch die Gute blieb uns treu. Arbeitete einfach weiter, ohne Lohn. Und als es dann bergauf ging, war sie natürlich die Erste, die wieder eine Festanstellung bekam.“
Vorzugsweise Hornower werden bis heute eingestellt, auch wenn das nicht immer leicht sei - „wenn es schief geht und man sich trennen muss, begegnet man sich ja ständig im Dorf.“ Einige Neider gebe es schon, gibt die Unternehmerin zu, trotzdem sei man gut eingebunden ins Hornower Leben. Sie selbst fährt auf dem nächsten Dorffest Kutsche, Ehemann Peter ist Jagdleiter und bietet Gulasch auf dem Fest an.
Das perfekte Idyll„
Peter Bienstman zögert. „Manchmal ist es schon blöd - ich habe so viele unangenehme Arbeiten auf dem Tisch, muss mich mit viel Ärger rumschlagen. Und Goedele kassiert die Auszeichnungen.“
Unternehmerpreise, TV-Berichte - fast schon berühmt ist die Belgierin. „Mir liegt es eben, mit den Kunden zu reden oder den Touristen, die hier mit Bussen ankommen, unsere Geschichte zu erzählen.“ Ihr Mann, eher introvertiert, ist Fakten- und Zahlenmensch, zuständig für Organisation, den großen Überblick, das Büro und all die Probleme, die es täglich mit Maschinen, Lieferanten oder den bürokratischen Auflagen gibt. „Allein schon die korrekte Anfertigung von Etiketten für die Weihnachtsmänner der nächsten Saison ist schwere Arbeit.“

Hornower mit belgischem Pass
Der Lohn der Mühe? Eine stetig wachsende Produktion, steigende Mitarbeiterzahlen, Auf- und Umbau als Dauerzustand. Die Kinder - „echte Hornower mit belgischem Pass“ - sind tief verwurzelt in der Lausitz. „Aber je älter ich werde, desto trauriger bin ich, dass sie nicht mit ihren Cousins und Cousinen gemeinsam aufwachsen.“
Goedele Matthyssen ist selbst mit fünf Geschwistern groß geworden, bis heute pflegt sie ein enges Verhältnis zur Familie. „Wir haben ein offenes Haus und ein großes Gästezimmer. Sind selbst mindestens zweimal im Jahr in Belgien. Aber mal eben so zum Kaffee rübergehen, das fehlt mir immer mehr.“ Lachend entschuldigt sie sich für ihren kleinen Anflug von Midlife-Crisis - sie weiß ihr Lebensglück sehr wohl zu schätzen.
37 Angestellte und sechs feste Saisonkräfte beschäftigt „Felicitas“ derzeit. Befragt nach ihrem Erfolgsgeheimnis können Goedele Matthyssen und ihr Mann Peter Bienstman selbst nur Vermutungen anstellen. „Vielleicht ist es diese einmalige Mischung aus belgischer, traditioneller Handwerkskunst und kreativer Lausitzer Handarbeit. Denn selbst in Belgien findet man nirgendwo so filigran ausgemalte Schoko-Präsente.“ Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Plat zeck (SPD) gehört mittlerweile ebenso zu den Stammkunden wie die größeren Firmen der Region. „Wir spüren, dass wir seit der Titel-Verleihung ernster genommen werden. Schon allein, dass wir in jeder Tourismusbroschüre erwähnt werden, hilft uns sehr.“
Auch Peter Bienstman freut sich daher noch immer, dass seine Frau „Unternehmerin des Jahres“ war. Wenngleich er es schon etwas ungerecht findet, dass er sich jetzt schon wieder um so etwas lästiges wie eine dauerdefekte Maschine kümmern muss - ganz ohne Ehrentitel.