Herr Lisinsky, als Mann sind Sie ein echter Exot an der Grundschule.
Ja. Als ich mich fürs Studium beworben habe, waren wir immerhin noch sechs Männer im Jahrgang. Davon sind heute noch zwei im Schuldienst.

Warum„ Mögen Männer einfach keine kleinen Kinder“
Es liegt wohl eher am schlechten Ansehen des Berufs. Der Lehrer gilt nicht mehr viel in der Gesellschaft, bei Eltern und Kindern ist er nicht mehr als Autorität akzeptiert. Die Kleinen nehmen ja nicht mal mehr die Hände aus den Taschen, wenn sie mich sehen.

Aber brauchen Kinder nicht gerade dringend männliche Bezugspersonen und Rollenmodelle„
Sicher wären mehr Männer im Schuldienst wichtig. Aber der Alltag für uns ist schwierig. Die Kinder hängen sich schnell an dich ran und du musst aufpassen, dass du sie auf Distanz hältst. Besonders im Sportunterricht muss ich vorab immer ganz genau ansagen, welche Art von Hilfestellung ich gebe, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Andererseits sind meine Kolleginnen oft schon Mitte 50. Rein körperlich sind sie also gar nicht mehr in der Lage, großen und schweren Kindern bei den Turnübungen wirklich zu helfen.

Und wie fühlt man sich als einziger Mann unter Frauen“
Als ich hier angefangen habe, war ich in dem Alter wie die Söhne der Kolleginnen. Die Frauen haben mich damals schon etwas bemuttert. Jetzt wäre es gut, wenn mal wieder junge Lehrkräfte mit schwungvollen Ideen in den Schuldienst kämen. Egal, ob Mann oder Frau - Hauptsache frisch motiviert.

Mit Thomas Lisinsky sprach Andrea Hilscher