Eigentlich geht es bei der Einwohnerversammlung in Spremberg um die Erkenntnisse, die Dr. Wilfried Uhlmann vom Institut für Wasser und Boden aus Dresden in den vergangenen zwei Jahren gewonnen hat. In einer 400 Seiten starken Untersuchung hat er ausgearbeitet, was die Ursachen für die Ablagerung von braunem Eisenhydroxid in der Spree sind und was dagegen getan werden kann.

Uhlmann hat gerade Lösungsvorschläge unterbreitet, da meldet sich ein Büroabgeordneter des Lausitzer Bundestagsabgeordneten Wolfgang Nekovic. Wie stark denn der aktive Tagebau in Nochten für die Spree-Verschmutzung verantwortlich sei, möchte er wissen.

Die Antwort gibt der Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU): "Ich hätte mich gefreut, wenn Herr Nekovic in den zurückliegenden Jahren öfter in seinem Wahlkreis gewesen wäre." Dafür gibt es Applaus. Sowohl Nekovic als auch Schulze kämpfen um das Direktmandat im Landkreis Spree-Neiße bei der kommenden Bundestagswahl. Es soll nicht die einzige politische Vorwehe der im September anstehenden Wahl an diesem Abend bleiben.

Die von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) in Auftrag gegebene 400-Seiten-Studie ist bereits die zweite umfangreiche wissenschaftliche Ausarbeitung innerhalb von zwei Jahren, die sich mit der Verockerung der Spree bis zur Talsperre Spremberg beschäftigt. Es geht dabei um die Ablagerung von braunem Eisenhydroxid, das aus Kippenböden stammt, das Flusswasser trübt und Kleinstlebewesen darin schädigt. Neben Uhlmann kommen in Spremberg auch Landesbehörden, Ministeriums- und Unternehmenssprecher zu Wort.

Der Wissenschaftler kommt zu dem Schluss, dass es seit 2011 zu einem deutlichen Anstieg der Eisenhydroxid-Belastung gekommen ist. Grund seien neben der Lausitzer Bodenbeschaffenheit auch die starken Niederschläge. "Die Stoffeinträge müssen halbiert werden", sagt er. Der Höhepunkt der Spree-Verunreinigung sei noch nicht erreicht. Das Eisenhydroxidproblem werde die Lausitzer noch 100 Jahre beschäftigen, so sein Fazit.

LMBV-Geotechnik-Chef Eckhard Scholz kündigt an, dass spätestens 2014 "Aktivitäten zur Verringerung" der braunen Eisenfracht in der Spree ergriffen werden. Dazu zählen hydraulische Abfangeinrichtungen und die Reaktivierung von Anlagen zur Reinigung von Grubenwasser. Wolfgang Genehr vom brandenburgischen Landesumweltamt zeigt sich "tief erschüttert" über die Ergebnisse der Studie. Er kündigt an, sich mit anderen Behörden in Verbindung zu setzen.

Hier habe das Land bisher viel zu wenig unternommen, obwohl das Problem Verockerung schon seit Jahren bekannt ist. Das ist zumindest die Auffassung der Brandenburger Grünen. Deren Kandidat für die Bundestagswahl, Wolfgang Renner, fordert am Rande der Versammlung in Spremberg, dass die Ergebnisse der Studie auf einer Internetseite veröffentlicht werden, um "sie überprüfen zu können". Das wiederum stuft Bürgermeister Schulze als unwahrscheinlich ein, da die Rechte beim Auftraggeber, also der LMBV, liegen. Er verspricht, dass eine Zusammenfassung der Arbeit zeitnah auf der Homepage der Stadt Spremberg stehen wird.

Außerdem kündigt er an, dass er in der Staatskanzlei dafür werben wird, dass die Zusammenarbeit zwischen Potsdam und Dresden intensiviert wird. "Wir können nur gemeinsam Herr der Lage werden", so sein Fazit. Dafür gibt es wiederum Applaus. Denn im Saal sitzen auch Kollegen aus dem Nachbarbundesland.