Die schwierigste Fahrt: "Wir fuhren aus Oberhausen zurück, dann gab es einen Wintereinbruch. Da mussten wir uns 13 Stunden durch hohen Schnee quälen. Das war richtig schlimm und gefährlich. Viel Frost, viel Schnee, viel Eis - die Scheibenwischer waren angefroren. Da ging es richtig ans Limit. Alle waren froh, als wir dann heil in Cottbus angekommen waren."

Die größte Verspätung: "Wir waren immer pünktlich zu den Spielen, in all den 15 Jahren. Einmal war es aber knapp. Ich sollte die Mannschaft vom Flieger in Köln abholen. Doch dann ist eine Autobahnbrücke eingestürzt, auf allen vier Spuren. Dann mussten wir Kleinbusse organisieren, dass die Jungs anders nach Aachen kommen. Sonst hätten wir das nie geschafft." Die härteste Busblockade: "Nach einer Niederlage auf Schalke musste sogar die Reiterstaffel eingesetzt werden. Das war richtig schlimm. Da schaust du dann als Busfahrer in die wütenden Gesichter der Fans. Manchmal konnte ich die aber auch verstehen. Die reisen Hunderte Kilometer und dann spielt die Mannschaft so einen Mist zusammen. Da war ich dann immer dafür, dass die Spieler auf die Fans zugehen und sagen: Jungs, es tut uns leid."

Die gefährlichsten Situationen: "Auf Schalke unter Geyer flogen Steine auf den Bus. Und in Frankfurt/Main unter Sander wurden drei Seitenscheiben eingeschmissen. Angst hatte ich persönlich aber eigentlich nie. Außer in Duisburg, vor dem Pokalhalbfinale. Als da die riesigen Böller unterm Bus explodierten, da wurde mir schon ein bisschen anders."

Seine besten Fußballer-Freunde: "Mit Tomislav Piplica und Timo Rost verbindet mich viel. Wir telefonieren und treffen uns auch. Jetzt fahren wir zu Timo. Dirk ,Kellogs' Keller ist auch dabei. Es gab übrigens nur wenige Spieler, die in der Busfahrer-Koje schlafen durften. Zuerst ,Pipi', später Tremmel. Dann Marc Andre Kruska. Zu Marc und seiner Familie habe ich guten Kontakt. Sie haben mich eingeladen, ich werde auf alle Fälle hinfahren."

Der schwierigste Trainer: "Dazu werde ich mich nicht äußern. Klar, jeder Trainer war mal sauer, wenn irgendetwas nicht geklappt hat. Wie zuletzt beim Spiel in Dortmund. Da wurde am Freitagnachmittag plötzlich eine neue Baustelle aufgemacht, die man nicht planen konnte. Und für zehn Kilometer haben wir dann mehr als eine Stunde gebraucht. Da hat sich der Trainer schon mächtig aufgeregt. Das verstehe ich völlig."

Die Fahrten mit Eduard Geyer: "Ede war halt ein ganz besonderer Mensch - klar habe ich auch ein paar Anranzer bekommen. Ich habe viel Hajo Prinz zu verdanken, der war der ruhende Pol und hat mich ein bisschen geschützt. Als Busfahrer kannst du nicht ganz Deutschland kennen. Wenn es nicht schnell genug ging, wurde Geyer ein bisschen unruhig. Die Anspannung vor einem Spiel ist halt groß - aber trotzdem muss man sich ja an die Straßenverkehrsordnung halten. Nach dem Spiel war alles wieder vergessen."

Der schönste Erfolg: "Der Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga, das war wirklich schön. Und da wurde ich als Busfahrer auch nicht vergessen. Da musste ich selbst mit auf den Balkon an der Stadthalle. Das fand ich richtig toll, weil ich mich dazugehörig gefühlt habe."

Das härteste Trainingslager: "Ein Highlight war Lindabrunn in Österreich unter Geyer. Da war noch richtig Zucht und Ordnung. Schlagbaum runter, aus die Maus. Und rundherum war nichts. Da musste man schon warten, bis der Trainer sagt: So, wir fahren jetzt nach Wien, da habt ihr den Nachmittag zur freien Verfügung. Richtig schön war es in Davos, ein Höhentrainingslager nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga. Dort war es toll."

Die verrückteste Bus-Party: "Ganz ehrlich, die gab es nicht. Es blieb immer alles im Rahmen. Trainer wie Pet Sander haben unheimlich Wert auf Disziplin und Ordnung gelegt. Die Jungs konnten ja danach feiern gehen - aber nicht im Bus. Außer nach dem legendären Spiel in Karlsruhe haben wir mal an der Tankstelle angehalten und ein paar Flaschen Bier geholt. Aber ansonsten gab es äußerst selten Bier im Bus, da haben alle Trainer richtig drauf geachtet. Manchmal habe ich das auch nicht so richtig verstanden. Nach Siegen kann man doch auch ein bisschen feiern."

Mattuschkas neue Getränkekarte: "Es gab nur Wasser im Bus. Stilles Wasser, kein Witz. Außer unter Prasnikar. Der war absoluter Cola-Fan. Wenn ich die nicht an Bord hatte, wurde er sauer. Aber Cola gab es nur für ihn. Aber seit Torsten Mattuschka dabei ist, ist alles anders. Tusche sagt: Man kann ja nicht nur Wasser trinken. Und irgendwo hat er damit ja auch recht. Jetzt gibt es auch Apfelschorle."

Sein größter Traum: "Ich wollte eigentlich immer mal während eines Punktspiels irgendwo mit auf der Trainerbank sitzen. Das wäre ein Highlight gewesen, dort zu sitzen, wo sonst keiner hinkommt, ganz nah dran am Spielfeld. Das ging aber irgendwie nie. Aber mein Gott, man kann nicht alles haben."

Die neue Freizeit: "Erstmal werde ich meine freien Wochenenden ein bisschen genießen. Da ich aber mit Leib und Seele Busfahrer bin, werde ich versuchen, dass ich weiter ein bisschen fahren kann. Ich hoffe ja immer noch, dass ich als zweiter Busfahrer für Energie bei den Johannitern einsteigen kann. Aber diese Entscheidung treffe nicht ich, sondern andere."

Aufgezeichnet von

Jan Lehmann