Aus den Zwenkauer Plänen wird vorerst nichts. 320 Motorboote wollte Bürgermeister Holger Schulz (CDU) zulassen auf dem See, der den Namen der Stadt trägt. Doch nicht alle sind begeistert davon, dass es auf dem See zwölf Kilometer im Südwesten Leipzigs bald lauter und schneller zugeht.

Der Leipziger Umweltverband Ökolöwe hat Widerspruch eingelegt und will so die sogenannte Mastergenehmigung kippen, auf die sich die Zwenkauer Stadtverwaltung bezieht. Fahren sollten demnach auch "Motorboote mit Verbrennungsmotoren, welche den neuesten EU-Richtlinien entsprechen", heißt es aus dem Rathaus. Diese Genehmigung soll gelten, bis der bereits fertige See ordnungsgemäß für fertig erklärt wird.

Der Ökolöwe indes sieht darin ein "dreistes Umschiffen der Bürgerbeteiligung" um "schnellstmöglich aus dem See Profit zu schlagen". Die Bürger des Landkreises Leipzig, heißt es in einer Erklärung des Verbands, müssten bei der touristischen Erschließung ihrer Seen mitreden dürfen. Viele wünschten sich mehr Ruhe und intakte Natur. Dass trotzdem seit Jahren alle Weichen hin zum Wassersportparadies gestellt werden, ist für die Naturschützer ein Unding: "Die pauschale Freifahrt für alle Sportboote per Mastergenehmigung ist unverständlich."

Bürgermeister Schulz sieht kein Problem. Vor der Mastergenehmigung habe das Landratsamt alles überprüft. Insbesondere "die Betroffenheit von Natur und Umwelt". Die Boote dürften ohnehin nicht schneller fahren als zehn Kilometer pro Stunde und nicht näher als 50 Meter an die Uferzone ran. Groß ist die Enttäuschung, dass nun alles wieder stillsteht. Denn gerade erst Anfang Mai wurde der See mit großem Festakt feierlich eröffnet. Als größtes Gewässer sollte der Zwenkauer See die Perle im touristisch wachsenden Leipziger Neuseenland werden.

Seit der Stilllegung des Tagebaus 1999 läuft die Grube, die die Stadt Zwenkau fast völlig einschließt, mit Wasser voll. Die 970 Hektar Wasserfläche dauerhaft mit Leben zu füllen, ist Aufgabe des Zweckverbands "Neue Hardt". Der plant einen Segelhafen und ein Feriendorf mit 400 Häusern. Hinter einem Waldstreifen von 350 Metern Breite soll ein Hotel mit 150 Zimmern entstehen. Dazu eine Seebrücke mit Anleger für Fahrgastschiffe, ein Sportpark, ein Strand und ein Campingplatz. Die touristische Erschließung des Zwenkauer Sees ließ sich der Freistaat Sachsen rund 23 Millionen Euro kosten. Eine gute Investition, befand Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bei der Eröffnung im Mai: "Schon heute hat diese wunderschöne Seenlandschaft eine große Aktie daran, Touristen nach Sachsen zu locken." Von dem Wandel zu einem Erholungsgebiet profitiere die gesamte Region. Das Becken für den Zwenkauer Yachthafen ist bereits fertig. Seit Sommer 2008 dreht mit einer Sondergenehmigung das Ausflugsschiff "Santa Barbara" seine Runden. Schon im Februar warben die Zwenkauer auf der Leipziger Messe "Beach and Boat" für den Saisonstart.

Die Nähe zur Großstadt Leipzig bedeutet für die Südraum-Seen zwar einen ständigen Publikumsstrom. Doch in den Zwenkauer Querelen treten die Nachteile dieser Lage zutage. Attraktionen wie Jetski und Wasserski oder schon einfache Motorboote gehen schwerer in dicht besiedelten Regionen. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) setzt da auf die Lausitz. Die habe "den Vorteil, dass die Bevölkerungsdichte nicht so hoch ist und man hier Sportarten etablieren kann, die im Leipziger Raum nicht gehen", so Dulig.

Wann die Zwenkauer Barbara Gesellschaft von Motorbooten bekommt, bleibt abzuwarten. Seit zwei Wochen ruht der See still. Das Landratsamt in Borna prüft zurzeit die Anfechtungsgründe der Umweltverbände. Erst danach dürfen die Boote wieder fahren.