Schönbohms erste Reaktion: Er war sprachlos. In der CDU-Fraktion plädierte er dafür, die Entscheidung über die umstrittene „Giftliste“ der Finanzministerin notfalls um zwei Wochen aufzuschieben. Schon in der Nacht zuvor war der CDU-Landeschef und Innenminister von einem Parteifreund alarmiert worden, dass die SPD den Ton verschärfe, sogar mit einer rot-roten Koalition drohe, falls die CDU beim Haushaltspoker nicht nachgebe. Was Schönbohm besonders verärgerte: Montag Nachmittag hatte er vor der SPD-Fraktion über die Kommunalfinanzierung gesprochen und niemand habe ihn vorgewarnt oder die Union kritisiert. „Das ist einfach schlechter Stil, das gab es zu Stolpes Zeiten nicht“, klagte Fraktionsgeschäftsführer Dierk Homeyer. „Der Umgang mit Schönbohm muss sich ändern.“ Es sei ein „stumpfes Schwert“, mit Rot-Rot zu drohen, so der CDU-Politiker. Die SPD sei doch mehr denn je auf die Union angewiesen – auch auf Bundesebene.


Das Muskelspiel der CDU verstärkt wiederum den Unmut bei der SPD. Seit Tagen überschüttet man sich mit Schuldzuweisungen. Erst warf Schönbohm der SPD mangelnden Sparwillen vor, jetzt beklagen Sozialdemokraten, die CDU-Minister seien sparunwillig. Die CDU macht die SPD öffentlich für die Rekordverschuldung verantwortlich. Die SPD kontert, dass der Blick zurück das Problem nicht löse. Es ist, das räumen beide Seiten inzwischen ein, mehr als das übliche Donnergetöse, das Haushaltsdebatten begleitet. „Wie soll es weitergehen, wenn man sich jetzt schon streitet, wo doch die Sparoperation erst beginnt“, fragt man besorgt in SPD und CDU.

Kein Wunder, dass selbst der stets optimistische SPD-Fraktionschef Gunter Fritsch gestern keine Wette abschließen wollte, dass das rot-schwarze Regierungsbündnis tatsächlich bis 2004 hält. Auch Homeyer urteilte: „Ein heißes Spiel auf dünnem Eis.“
Entgegen seiner ursprünglichen Absicht beorderte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) Schönbohm vor der Kabinettssitzung doch noch zum Vier-Augen-Gespräch zu sich. 45 Minuten später trafen auch die übrigen Minister ein – sonderlich optimistisch wirkten die meisten nicht: Es könne eine lange Nacht werden, meinte ein Minister viel sagend. Einige Stunden später, am Abend, vorsichtige Entwarnung aus dem Kabinett. Eine Einigung rücke näher.