Der zerstörte Strommast liegt auf einem Acker in der Südukraine. Durch die Kabel, die von hier aus auf die Halbinsel Krim führen, fließt keine Energie mehr. Mit Sprengsätzen haben Unbekannte den mächtigen Mast zu Fall gebracht. Auf der vom Stromnetz abgeschnittenen Schwarzmeer-Halbinsel wird der Notstand ausgerufen. Die Führung der Krim erklärt den Montag wegen des Energiemangels zum arbeitsfreien Tag. Zuletzt war es bei internationalen Verhandlungen still geworden um das von Russland annektierte Gebiet. Die Sabotage könnte die Krim wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Schlagartig sei der Strom weg gewesen, so schildern russische Medien den "Blackout". Internet, Fernsehen, Heizung: Nichts geht mehr unmittelbar nach dem Anschlag in der Nacht zum Sonntag. Rund zwei Millionen Menschen auf der Krim sitzen im Dunkeln.

Zwar springen etwa in Kliniken und Flughäfen Notstromaggregate an. Auch Radiostationen sind für wichtige Durchsagen mit Strom versorgt. Dieselgeneratoren und mobile Gasturbinen bringen zudem in den Morgenstunden einen Teil der Elektrizität zurück. Das kann aber nicht die 70 Prozent Energie ersetzen, die normalerweise durch vier Leitungen vom ukrainischen Festland auf die Krim fließen.

Aus Moskau kam scharfe Kritik an der Sabotage. "Das ist ein Terrorakt", meinte der Abgeordnete Franz Klinzewitsch von der Kremlpartei Geeintes Russland. Die Behörden auf der Halbinsel riefen den Notstand aus und setzten einen Krisenstab ein. Die Lage sei stabil, sagte Michail Scheremet von der moskautreuen Führung der Krim.

Seit mehr als zwei Monaten blockieren Krimtataren und ukrainische Aktivisten Warentransporte auf die Krim und fordern von Kiew das Kappen der Stromversorgung. Damit soll die Freilassung gefangener Ukrainer in Russland und das Ende von Einreiseverboten gegen krimtatarische Politiker auf die Halbinsel erreicht werden.

In einer Umfrage sprechen sich 48 Prozent der Ukrainer für eine Energieblockade der Region aus. Dies lehnt die Landesregierung aber ab. Sie kritisiert zwar Russland für die 2014 erfolgte Annexion der Krim, sonst meidet die ukrainische Führung aber das unbequeme Thema.