"Das können unmöglich Tierschützer sein", empört sich Helga Druschke vom Tierschutzverein Luckau und Umgebung. "Tierschützer würden niemals Eisenfallen einsetzen." Das Wildbiologische Büro Lupus in Spreewitz indes nutzt Tellereisen, um Wölfe zu untersuchen und mit GPS-Sendern auszurüsten. Das wurde in der vergangenen Woche bekannt (die Rundschau berichtete). Seitdem reißt die Kritik nicht ab.

Der Landesjagdverband hatte den Einsatz der sogenannten Soft Catch Traps im Sächsischen Wolfsmanagement verurteilt, weil diese Fallen wie herkömmliche Tellereisen funktionieren. Die aber sind seit 1995 EU-weit verboten.

Mit Sondergenehmigung

Das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz in Rietschen beruft sich auf eine Sondergenehmigung, die die Landesdirektion Dresden 2011 erteilt hat. Diese Genehmigung soll nicht erneut überprüft werden, teilte ein Sprecher der Behörde gestern auf RUNDSCHAU-Anfrage mit.

"Die Methode hat sich als die praktikabelste erwiesen", verteidigt Vanessa Ludwig, Projektleiterin beim Kontaktbüro, den Einsatz der Fallen. Diese seien am Klemmbügel abgepolstert und so eingestellt, dass die Tiere nicht zu Schaden kämen. Wichtige Erkenntnisse über die Lebensweise und den Raumbedarf der scheuen Wölfe könnten nur so gewonnen werden. Wenn ein Tier in die Falle tappt, bekommen demnach die Mitarbeiterinnen des Büros Lupus einen Alarm aufs Handy und machen sich schnellstens auf den Weg. "Bis jetzt ist noch kein Wolf durch eine solche Falle verletzt worden", sagt Ludwig. "Und auch keine anderen Tiere."

Wenig Fangalternativen

Viele Alternativen zur Soft Catch Trap gebe es nicht, betont auch Peter Blanché von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. Die Tiere per Lappenjagd einzufangen, sei zu aufwendig und zu personalintensiv. "Außerdem haben Untersuchungen ergeben, dass es viel stressiger für die Tiere ist, wenn sie sich dabei in den Netzen verheddern." Auch die Variante, Wölfe aus dem Hubschrauber mit Betäubungsgewehren zu schießen, lasse sich in der Lausitz nicht anwenden. Auch Kastenfallen nützen dem Wolfsmanagement wenig. Da gehen alle möglichen Tiere rein, aber clevere Wölfe lassen sich so nicht einfangen.

"Das Büro Lupus hat eine genehmigte Methode genutzt", sagt Blanché. Diese Methode sei hinsichtlich Naturschutz, Artenschutz und Tierschutz geprüft und in der Folge auch von der Wolfsschutzgesellschaft, die die Arbeit des Büros unterstützt, gebilligt worden. Allerdings: "Falls man diese Fangmethode nochmal überprüft und dabei feststellt, dass sie gegen das Tierschutzrecht verstößt, dann muss man damit aufhören", fordert Blanché.

Die Landesdirektion Dresden beruft sich indes auf umfangreiche Prüfungen der umstrittenen Fallen. Die gepolsterten Fangeisen, so heißt es in einer schriftlichen Erklärung, "wurden für den besonderen Verwendungszweck - dem kurzzeitigen Festhalten eines Tieres, ohne dieses zu schädigen - modifiziert". So sei eine "schonende, zugleich aber auch sichere Fixierung des Tieres möglich".

Der Landesjagdverband lässt das nicht gelten. "Es kann nicht sein, dass uns Jägern vorgeworfen wird, wir würden dem Wolf Böses wollen, während das Büro Lupus mit behördlicher Genehmigung Tellereisen auslegen darf", sagt Verbands-Vizepräsident Heinz Baacke.

Offener Brief des Jagdverbandes

Der Kampf um den Wolf und den Wolfsschutz geht weiter. Der Jagdverband hat sich nun in einem offenen Brief an das sächsische Umweltministerium gewandt. Darin fordern die Jäger eine Entschuldigung für die "unerträglichen Äußerungen", die in dieser Sache getätigt worden seien. So hatte der Ministeriumssprecher Frank Meyer in der RUNDSCHAU von "Hass" gesprochen, den der Verband gegen das Büro Lupus verbreite.