Wenn eine Schule erst geschlossen ist, hilft auch kein besseres Schulkonzept, polemisierte der Bielefelder Pädagoge und Psychologe Otto Herz. Kleine Einrichtungen dürften nicht als Zwergenschulen diffamiert werden. Sie könnten ebenso leistungsfähig sein wie große Schulen.
Dezentrale, wohnortnahe Standorte müssten Vorrang genießen. Zudem entspreche jahrgangsübergreifender Unterricht mehr den unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Kinder, so Herz. Sie würden ohnehin in gemischten Gruppen besser lernen können. Die Alterseinstufung in den Schulklassen sei nur ein historisches Erbe, um die Jahrgänge der Schulabgänger für das Militär zu rekrutieren. "Das bessere Schulkonzept ist noch kein Gutes", so Herz.
Ähnlich sah es Landesschülersprecherin Julia Bonk. Die Schülerschaft lehne große Bildungsfabriken ab und fordere ein längeres gemeinsames Lernen bis zur 8. oder 9. Klasse. Das CDU-Papier sei zwar ein positives Zeichen, aber keine Alternative zum Volksantrag, so Bonk. Zudem fehle ein Hinweis auf Mitspracherechte für Schüler. Sachsens GEW-Chefin Sabine Gerold kritisierte zudem, der Gesetzentwurf sei nur ein politisches Manöver. Er enthalte nur Selbstverständlichkeiten und Banalitäten, die die Regierung längst umsetzen könne.
Anders dagegen die Vertreter anderer Lehrerverbände und der kommunalen Spitzenverbände. Sie begrüßten weitgehend den Vorstoß von CDU und Staatsregierung. Die finanziellen und rechtlichen Belange der Gemeinden als Träger der Schulen müssten aber noch stärker berücksichtigt werden. Die CDU will die Klassenstärken auf 15 bis 28 Schüler begrenzen, aber nur in Ausnahmefällen von zweizügigen Mittelschulen und dreizügigen Gymnasien abweichen.
Zudem sind die Einführung einiger Ganztags-Modellschulen und einer Fremdsprache als Pflichtfach ab der
3. Klasse vorgesehen. Der "Schulkompromiss" - dem Rückgang der Schülerzahlen um die Hälfte bis 2008 steht ein Abbau von Lehrerstellen auf nur 70 Prozent gegenüber - soll genutzt werden, um die Bildungssituation zu verbessern. Der Volksantrag hat dagegen weitergehende Vorstellungen, die kleinere Klassen, kleinere Schulen und jahrgangsübergreifendern Unterricht ermöglichen sollen.