Bischof Ipolt, was war Ihre Reaktion auf die Nachricht von der Rücktrittsankündigung des Papstes?
Ich war verwundert und geschockt. Ich konnte es nicht glauben. Es war ein so fremder Gedanke, dass ich geneigt war, an eine Fehlmeldung zu glauben. Aber dann erinnerte ich mich an mein Theologiestudium: Da habe ich gelernt, das so etwas möglich ist - aber in 2000 Jahren Kirchengeschichte kam das eben auch nur einmal vor.

Wie bewerten Sie die Motive Benedikts?
Ich habe großen Respekt davor, dass er den Mut hat, diesen Schritt zu gehen. Dass er sieht, dass dieses Amt die volle körperliche Kraft eines Menschen braucht. Benedikt denkt an das Wohl der Kirche. Er sieht, dass er sich nicht nicht krampfhaft am Amt festklammern muss, und will, dass nun ein anderer, jüngerer und gesundheitlich stärkerer Papst die Kirche leitet. Davor habe ich hohen Respekt.

Wie bewerten Sie sein Pontifikat?
Heute kann das natürlich nur eine erste Reaktion sein: Papst Benedikt ist ein großer Theologe, den ich sehr schätze. Das gilt auch für das, was er uns hinterlassen hat: Seine Enzykliken und Jesus-Bücher. Er hat gezeigt, dass er den Glauben auch in einfacher Sprache für uns alle gut darstellen kann. Und er hat den Geist der Kirchenväter wieder in unserer Kirche wachgerufen. Wir wissen, dass er ein großer Augustinus-Liebhaber ist. Dass er dessen theologische Überlegungen in unserer Kirche wieder neu aufleuchten ließ, ist ein großes Geschenk.

Trotzdem wird häufig darüber gesprochen, dass die katholische Kirche unter Benedikt in eine Krise geriet . . .
Es stimmt, in sein Pontifikat ist dieses unselige Jahr 2010 gefallen, in dem die Missbrauchsfälle aufgedeckt wurden. Das war für ihn ein großer Schmerz. Ich glaube, dass ihn das zutiefst getroffen hat. Vielleicht kann man das als Schatten über seiner Amtszeit bezeichnen, als Leid, das er tragen musste. Er musste die Aufarbeitung einleiten. Aber da hat er dann mit aller Konsequenz dafür gesorgt, dass neue Spielregeln eingeführt wurden.

Wie geht es jetzt im Bistum Görlitz weiter?
Für uns hier in der Lausitz ändert sich durch die Rücktrittsankündigung nicht viel. Bis zum 28. Februar werden wir in allen unseren Messen weiter für Papst Benedikt beten - noch ist er ja nicht zurückgetreten. Ab Ende Februar ist dann eine Sedisvakanz: Das hat natürlich zur Folge, dass wir nicht mehr für Benedikt XVI. beten können - sondern unsere Hände dafür falten werden, dass die Kardinäle möglichst zügig den besten und geeignetsten Kandidaten für dieses wichtige Amt finden.

Mit Bischof Wolfgang Ipolt sprach Benjamin Lassiwe